Das Jahr-2000-Problem: Tagebuch, Archiv Woche 15

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Archiv der Woche 15 (6. April bis 10. April 1998)

Hier finden sich folgende Tages-Einträge:

Freitag, 10. April 1998 10'000'000'000'000 Dollars aus dem Nichts
Donnerstag, 9. April 1998 Das Jahr-2000-Problem bei mir zu Hause
Mittwoch, 8. April 1998 Meteoriten-Schwarm
Dienstag, 7. April 1998 Meta-Links: Links zu Link-Sammlungen
Montag, 6. April 1998 20-zu-0 gegen den IRS, Sieg durch K.O.
 
Freitag, 10. April 1998 10'000'000'000'000 Dollars aus dem Nichts Vortag

Smith Barney ( http://www.smithbarney.com/ ) ist eine grosses auf Börsengeschäfte spezialisiertes Finanzinstitut in den USA ("stock brokerage and investment banking").

Die Programmierer dort haben sich offenbar schon relativ früh mit dem Jahr 2000 beschäftigt, denn folgender Vorfall ereignete sich bereits im Juni 1997:

Datums-Angaben wurden in den Programmen dieser Bank als sechsstellige Zahlen geführt, also z.B. 980410 für den heutigen Tag, im Format "JJMMTT". Will man solchermassen dargestellte Datums-Zahlen jahr-2000-gerecht machen, also das Jahr fortan vierstellig führen, muss man 19 Millionen addieren:


      980410

    19000000

    --------

    19980410

    
Es wurde deshalb ein Datenumwandlungs-Programm erstellt und und dieses getestet. Weil man beim Testlauf auf keine Probleme stiess, wurde beschlossen, das Programm auf die echten, "heissen" Daten anzuwenden.

Nun geschah folgendes: Durch einen Fehler in diesem Programm wurden die 19 Millionen nicht nur zu Datumsangaben hinzugezählt, sondern auch zu den Saldi aller Kundenkonten!

Resultat: Auf allen 525'000 Konten der Bank lagen plötzlich je 19 Millionen Dollar mehr. Es "entstanden" so über 10 Billiarden Dollar, quasi aus dem Nichts.

Der Fehler war so offensichtlich, dass er kurz darauf entdeckt wurde, und die Kunden keine Gelegenheit hatten, sich an ihrem neuen Reichtum zu freuen. Nur: Was passiert bei einem ähnlichen, aber nicht so offensichtlichen Vorfall bei der Jahrtausendwende?

Und noch etwas zeigt diese Geschichte: Wenn man mit der Programmierung fertig ist, beginnt der wirklich harte Teil, nähmlich das Testen. Ich werde noch an späteren Tagen auf dieses sehr wichtige Thema zu sprechen kommen; ich bin selbst Programmierer und habe auch so meine Erfahrungen mit Testen gemacht.

Wenn Sie also in den nächsten Wochen und Monaten vermehrt hören, dass Firmen das Umprogrammieren ihrer Systeme abgeschlossen haben, bedenken Sie, dass dies noch kein Grund zum Jubeln ist: Alle diese Firmen haben dann noch eine äusserst schwierige Testphase vor sich.

Eine ausführliche Darstellung dieses Vorfalls finden Sie unter http://www.survivey2k.com/About_The_Newsletter.html .

 
Donnerstag, 9. April 1998 Das Jahr-2000-Problem bei mir zu Hause Vortag

Ich habe bei mir zu Hause einen Videorecorder, der ein schönes Beispiel für ein Gerät mit einem Jahr-2000-Problem abgibt: Die interne Uhr führt das Jahr nur mit zwei Stellen.

Dies alleine ist natürlich noch keine Garantie dafür, dass ein Problem vorliegt; schliesslich könnte das Gerät ja einfach "00", "01", "02" etc. weiterzählen. Ich habe aber festgestellt, dass die Uhr nach dem 31. Dezember 1999 auf ein Datum im Jahre 1982 zurückspringt.

Hier findet man gleich mehrere wichtige Aspekte des Jahr-2000-Problems vereint. Da wäre zum einen einmal die Tatsache, dass Probleme an verschiedensten Orten auftreten können, wo man sie je nach dem gar nicht erwartet. Oder dachten Sie an einen Videorecorder, als Sie die Ueberschrift zum heutigen Tagebuch-Eintrag lasen?

Zum zweiten zeigt es, dass Techniker immer wieder die Lebensdauer ihrer Produkte unterschätzen. Das Gerät habe ich etwa 1987 gekauft, und ich sehe keinen Grund, es auszurangieren, denn es läuft noch fast tadellos. So ist es ebenfalls mit Zehntausenden von alten Programmen weltweit.

Zum dritten zeigt es die Problematik der Microchips, der sog. "embedded controllers". Man kann nicht einfach ein neues Datums-Programm in meinen Videorecorder laden; um das Problem zu beheben, müsste man einen Chip austauschen. Nur ist das überhaupt nicht vorgesehen, und selbst wenn, hätte der Hersteller wohl kaum mehr Ersatz-Chips für ein 1987er-Modell!

Ein wichtiger Aspekt fehlt allerdings: Es handelt sich nicht um ein Problem, das schwerwiegende Folgen haben kann. Wenn im Jahre 2000 mein Videorecorder ein falsches Datum anzeigt, ist das nicht weiter schlimm.

Schon schlimmer könnte es sein, wenn hier bei mir am 1.1.2000 plötzlich die Heizung ausfällt, weil die interne Steuerungs-Schaltuhr verrückt spielt. Ich muss nächstens einmal im Heizungs-Keller nachschauen gehen...

Aber auch das ist natürlich nichts gegen steckenbleibende Lifte, ausfallende Ampelanlagen, widerspenstige Tresortüren, usw.

 
Mittwoch, 8. April 1998 Meteoriten-Schwarm Vortag

Stellen Sie sich vor, Astronomen gäben heute folgende Neuigkeiten bekannt:

Pressemitteilung: Es wurde soeben ein Meteoriten-Schwarm entdeckt, der geradewegs auf die Erde zurast. Der Schwarm besteht aus Millionen von kleinen, aber dennoch gefährlichen Meteoriten. Dank der Supercomputer, die heute zur Verfügung stehen, konnte bereits das genaue Datum errechnet werden, wann diese Meteoriten die Erde erreichen werden: Der Tag des Einschlags ist der 1.1.2000.

Die Supercomputer machen es sogar möglich, von jedem einzelnen Meteoriten vorherzusagen, wo er einschlagen wird. Unter den Zielen befinden sich Banken, Versicherungen, Autofabriken, Spitäler, Kraftwerke, Ampelanlagen, usw., über die ganze Erde verstreut.

Es ist zu erwarten, dass durch die Meteoriten die Ziele nicht zerstört werden, aber doch so schwer in Mitleidenschaft gezogen, dass sie eine ganze Weile nicht normal funktionieren können. Ende der Pressemitteilung

Sie haben sicher verstanden, es handelt sich hier um eine Analogie zum Jahr-2000-Problem und seinen vermutlichen Auswirkungen. Ich finde diese Analogie schlicht grossartig, denn sie ist im Gegensatz zum echten Problem sehr anschaulich und für jedermann sofort als grosse Bedrohung einsichtig.

Versuchen Sie sich nur einmal vorzustellen, was diese Meldung auslösen würde, wenn die Astronomen sie tatsächlich heute bekanntgäben! Es wäre wohl die Hölle los, und eine Zeitlang würde niemand mehr von etwas anderem reden. Danach würden wohl weltweit verzweifelte Anstrengungen unternommen, die vorhergesagten Ziele irgendwie vor den Einschlägen zu schützen, etwa durch Raketen, die die Meteoriten abfangen.

Vergleichen Sie das mit dem, was die Warnungen der Fachleute über das Jahr-2000-Problem bisher in der breiten Oeffentlichkeit bewirkt haben. Der Unterschied ist frappant.

Diese Analogie stammt nicht von mir, sondern von einem gewissen Jim Abel. Ich habe sie unter http://www.garynorth.com/y2k/detail_.cfm/1092 auf der Website von Gary North angetroffen. Ich habe nur kurz die Grund-Idee wiedergegeben; die volle Analogie ist viel ausführlicher und reichhaltiger.

 
Dienstag, 7. April 1998 Meta-Links: Links zu Link-Sammlungen Vortag

Heute leiste ich einmal recht wenig selber, sondern profitiere von grossem Fleiss und von der grossen Arbeit, die andere leisten. Ich gebe zwei Links auf Link-Sammlungen betreffend Jahr 2000, zwei Meta-Links sozusagen.

Unter http://pw2.netcom.com/~helliott/00.htm steht im WWW die "Mother of All Year 2000 (Y2K) Link Centers" zur Verfügung. Wenn man sieht, was hier an Links zusammengetragen wurde, hat diese Bezeichnung eine gewisse Berechtigung. Es lohnt sich allemal, einmal reinzuschauen.

Unter http://www.y2klinks.com gibt es ebenfalls eine Link-Sammlung zum Thema. Sie umfasst noch nicht so viele Links, zeigt aber gute Ansätze. Auf demselben Server, unter http://millie.y2klinks.com , befindet sich etwas, das schon schwieriger einzuschätzen ist: "Millie", eine künstliche Intelligenz ("Yes Artificial Intelligence meets Y2K.") Meine ersten eigenen Experimente damit erlauben mir noch kein Urteil darüber. Mal sehen, ich halte Sie auf dem laufenden.

Mein Urteil über folgenden Spruch auf der Witzseite dieser "Y2K Links Database" ist hingegen klar: Sehr subtil!

Wegen Budget-Sparmassnahmen bleibt das Licht am Ende des Tunnels bis auf weiteres ausgeschaltet.

 
Montag, 6. April 1998 20-zu-0 gegen den IRS, Sieg durch K.O. Archiv

Der IRS (Internal Revenue Service), die Behörde der US-Regierung, die für die Steuern zuständig ist, liegt wie viele andere US-Behörden ziemlich schlecht im Rennen, wenn es darum geht, die eigene Informatik jahr-2000-tauglich zu machen. Es gibt schon seit einiger Zeit die Spekulation, dass der IRS es nicht schaffen wird, rechtzeitig fertig zu werden.

Nun scheint es allerdings, als ob die Probleme erst richtig beginnen: Letzten Freitag hat das Finanz-Kommitee des US-Senats über eine neue Steuer-Gesetzgebung abgestimmt. Mit 20 Ja-Stimmen zu 0 Gegenstimmen wurde beschlossen, den IRS einer gründlichen Reform zu unterziehen, und zwar beginnend noch vor dem Jahr 2000.

Das Ganze wird beschrieben als "ein Sieg für die amerikanischen Steuerzahler". Die öffentliche Presse-Mitteilung finden Sie unter http://www.senate.gov/~finance/105-285.htm

Charles Rosotti, der Verantwortliche des IRS in Sachen Jahr 2000, hatte noch letzten Dienstag in einem Brief an das Senats-Kommitee dringend darum gebeten, die neue Gesetzgebung zu verschieben. Andernfalls sehe er die Jahr-2000-Umstellung gefährdet. Siehe http://guide-p.infoseek.com/Content?arn=ix.FLSS19980403...

Nun, es hat nichts genützt. Erstaunlich, dass es nicht einmal für eine einzige Gegenstimme gereicht hat! Man vergleiche dieses Vorgehen der Amerikaner mit demjenigen der Kanadier, die explizit jede Gesetzesänderung bis 2000 gestoppt haben.

Es gibt viele Beispiele, die belegen, dass Europa gegenüber den USA ziemlich im Rückstand ist, wenn es um die Bewältigung des Jahr-2000-Problems geht. Nun, heute haben wir zur Abwechslung ein wunderschönes Gegen-Beispiel. Bye, Bye, IRS.

 

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