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Archiv der Woche 2/1999 (11. Januar 1999 bis 15. Januar 1999)
Hier finden sich folgende Tages-Einträge:
| Freitag, 15. Januar 1999 | Jahr-2000-Problem im US-Senat |
| Donnerstag, 14. Januar 1999 | Umfrageresultate sind Ansichtssache |
| Mittwoch, 13. Januar 1999 | Die Strombarone und das Jahr 2000 |
| Dienstag, 12. Januar 1999 | Der Euro fliegt |
| Montag, 11. Januar 1999 | Rick Cowles |
| Freitag, 15. Januar 1999 | Jahr-2000-Problem im US-Senat | Vortag |
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Der amerikanische Senat hat ein Büro mit einigen Mitarbeitern, das sich um die finanziellen Belange des Senats kümmert, also um die Bezahlung von Mieten, Reisespesen der Senatoren, Entlöhnung von Protokollschreibern und Uebersetzern, usw. In diesem Büro ist ein 7-Millionen-Dollar Jahr-2000-Projekt am Laufen. Am 19. Oktober letzten Jahres wurde in dessen Rahmen ein neues System für das Bezahlen von Rechnungen in Betrieb genommen. Dieses System ist zwar jahr-2000-fähig, hat aber offensichtlich so viele "Kinderkrankheiten", die bis heute nicht alle überwunden sind, dass mittlerweile die Dinge ganz schön durcheinanderkommen. Einigen Angestellten des Senats sei letzte Woche mit einem Räumungsbefehl für ihre Büros gedroht worden, weil die Bezahlung der Miete so weit hinterherhinkt. Ein Angestellter gab an, er verbringe jeden Tag 2 Stunden am Telefon mit aufgebrachten Lieferanten und Dienstleistern, da die Zahlungen zum Teil 10 Wochen überfällig seien und niemand in der Lage, eine Erklärung zu liefern, warum es so lange dauert. Der Sekretär eines Senators bemerkte hierzu: "Der Senat als Institution hat ein guten Ruf, und der steht auf dem Spiel hier." Man hofft, die Probleme bis in einem Monat überwunden zu haben und zu einem normalen Zahlungsrhythmus von 2 bis 3 Wochen nach Rechnungsstellung zurückkehren zu können. Diese etwas kuriose Geschichte findet man unter http://www.dejanews.com/getdoc.xp?AN=431333659 (der Original-Artikel auf der "Rollcall"-Site ist leider bereits weg). Hier handelt es sich strikte genommen natürlich nicht um Jahr-2000-Probleme, sondern "nur" um Probleme, die auftauchen können, nachdem man die Aufgabe eigentlich gelöst hat durch Einführung von neuen, jahr-2000-fähigen Systemen. Kein gutes Omen für für die Umstellung grosser, komplexer Systeme mit einer Deadline nur wenige Monate vor dem 1.1.2000 und sehr knapp bemessener Zeit für Tests, wie leider vielerorts abzusehen ist. Insgeheim lache ich mir natürlich ins Fäustchen, dass es jetzt die US-Senatoren ganz direkt trifft. Aber ob sie dadurch einsehen, dass es Wichtigeres anzupacken gäbe, als wochenlang über die Vergehen ihres Präsidenten zu debattieren? Und zu guter Letzt noch dies: Es gibt einen Begriff, der in den USA dabei ist, zu dem Begriff des Januars punkto 2000 zu werden: "y2k-ready". Dieser neue und doch recht schwammige Begriff wurde in diversen neueren Statements von Firmen bei der Beschreibung ihrer Jahr-2000-Projekte verwendet, unter sorgfältiger Vermeidung des eingeführten, bewährten und ziemlich klar definierten Begriffs "y2k-compliant". Jemand hat auf dem Usenet gewitzelt, eine Firma gehe wohl schon als "Y2K-ready" durch ("auf das Jahr 2000 vorbereitet"), wenn die Notfallplanung steht. Und ein anderer Poster hat treffend bemerkt: "Wenn uns die Lewinsky-Affäre eines gelehrt hat, dann dies: Manchmal muss man sehr gut aufpassen, wie genau formuliert wird." |
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| Donnerstag, 14. Januar 1999 | Umfrageresultate sind Ansichtssache | Vortag |
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Zwischen dem 9. und 13. Dezember letzten Jahres wurde in den USA von der NSF (National Science Foundation), der Tageszeitung "USA Today" und "Gallup" eine Umfrage durchgeführt: 1032 Amerikaner wurden telefonisch über diverse Aspekte des Jahr-2000-Problems befragt. Die Resultate wurden vor kurzem veröffentlicht. Die Sache ist in vielerlei Hinsicht überraschend. Die NSF selbst, eine Behörde der US-Regierung zur Förderung der Wissenschaft, kommentiert die Umfrage auf ihrer Website unter http://www.nsf.gov/od/lpa/events/fow/y2k/pr_sp9805.htm. Titel des betreffenden Artikels (von mir aus dem Englischen übersetzt): Umfrage ergibt: Amerikaner im allgemeinen nicht besorgt über "Jahr 2000"-Computerpannen; In der einflussreichen Fachzeitung "Computerworld" kann man lesen unter http://www.computerworld.com/home/news.nsf/all/9901063y2kpoll: Umfrage: Amerikaner nicht in Panik wegen Jahr-2000-Sorgen In "USA Today" findet man einen Artikel zu dieser Umfrage unter http://www.usatoday.com/news/ndswed10.htm: Studie zeigt Abnahme von Jahr-2000-Problem-Aengsten Es wäre überhaupt kein Problem, noch weitere Artikel aufzulisten, die alle ins selbe Horn stossen: Etwas Sorge, aber keine Panik, sprich: die Amerikaner nehmen's relativ gelassen. Nun, bei einem Artikel in "Telepolis" des deutschen Heise-Verlags tönt es etwas anders (siehe http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/1758/1.html): Angst vor dem Jahr-2000-Problem? Ich wollte wissen, ja was denn nun, Abnahme der Aengste, im allgemeinen nicht besorgt, gemischtes Bild? Ich habe mich im WWW zur vollständigen Liste der gestellten Fragen und den genauen Prozentzahlen der Antworten durchgeklickt, und ich kann Ihnen sagen, ich bin fast vom Stuhl gekippt. Diese vollständige Liste findet man bei der NSF unter http://www.nsf.gov/od/lpa/events/fow/y2k/y2ktopline.htm Ich habe im folgenden die meiner Meinung nach extremsten Resultate herausgepickt, wobei ich die Fragen etwas vereinfacht wiedergebe (Achtung: leicht tendenziöse Darstellung zwecks grösserer Wirkung, also nicht objektiv wie die oben angegebenen Artikel, wenn Sie wissen, was ich meine):
Man darf eigentlich gar nicht anfangen, zu überlegen, was diese Resultate bedeuten. Jetzt schon, fast ein Jahr vor dem grossen Moment, geben 16% aller Leute an, sie wollten alles Geld abheben, wo es doch nur für etwa 5% aller Einlagen Bargeld hat. Und 4% Leute, die den Zusammenbruch der Wirtschaft befürchten, tönt vielleicht erst mal nicht nach viel, aber bei 270 Millionen Amerikanern sind das 10.8 Millionen Leute! Also wenn sich die in Bewegung setzen, gehe ich besser aus dem Weg... |
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| Mittwoch, 13. Januar 1999 | Die Strombarone und das Jahr 2000 | Vortag |
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Kurzer Tip vorneweg: Morgen Donnerstag ist so etwas wie "Jahr-2000-Tag" im Schweizer Fernsehen - siehe http://www.sfdrs.ch/y2k. Könnte interessant werden. Aus aktuellem Anlass geht es bei mir heute schon wieder um Strom: Letzten Sonntag erschien in der SonntagsZeitung (eine nur am Sonntag erscheinende Schweizer Zeitung, der ein wesentlicher Teil dieses speziellen Marktes gehört) ein Artikel über eine Umfrage unter den Schweizer Elektrizitätswerken. Diese breit angelegte Umfrage wurde vom VSE (Verein Schweizerischer Elektrizitätswerke) im letzten Herbst unter ihren 463 Mitgliedern durchgeführt. Eines der markantesten Ergebnisse: Fast 80 Prozent der Werke haben zur Lösung der Millennium-Probleme keine finanziellen Mittel bereitgestellt, ebenso viele haben für den kommenden Jahreswechsel keine Notfall-Organisation geplant, und das, obwohl 55 Prozent der befragten E-Werke schon Systeme oder Komponenten gefunden haben, die nicht Jahr-2000-tauglich sind. Am besten lesen Sie selbst: Die Zusammenfassung findet man unter http://www.sonntagszeitung.ch/sz01/S1-1583.HTM, den ausführlichen Artikel mit dem interessanten Titel Strombarone verschlafen Jahr-2000-Problem unter http://www.sonntagszeitung.ch/sz01/S57-1515.HTM. Ich habe in diesem Artikel ein wenig nach schönen Zitaten gefischt: Vorab die kleineren E-Werke und Stromverteiler haben die Gefahren des Jahrtausendwechsels noch nicht einmal als solche erkannt. [...] Zwei Drittel der befragten Stromunternehmen erwarten keine Auswirkungen des Jahres 2000 auf die Stromversorgung. [...] Bei den kleinen Regional- und Gemeindewerken, welche die Konsumenten oft direkt bedienen, sieht die Sachlage noch schlimmer aus. 43 Prozent unter ihnen haben noch gar kein Projekt gestartet oder geplant. [...] Ueli Gerber, Leiter Projektteam Jahr 2000 bei den Bernischen Kraftwerken (BKW), sieht keinen Grund zur Beunruhigung: "Die Umfrage zeigt dasselbe Bild wie in der restlichen Wirtschaft." [...] Die Homepage des VSE, der wahrscheinlich in den nächsten Tagen selbst ausführlich über die Studie berichten wird, ist zu finden unter http://www.strom.ch/vse/DEFAULT.HTM. Wenn man meinen bereits weit zurückliegenden Tagebucheintrag vom 5. Juni 1998 hervorholt, versteht man wohl, warum ich über diese Umfrageresultate nicht sehr überrascht bin. Jetzt sollte man wirklich eine zweite Umfrage machen, nämlich unter den Lesern der SonntagsZeitung, mit der zentralen Frage: "Was halten Sie vom Artikel über die Strombarone?" Es würde mich brennend interessieren, was die Leute so denken, wenn sie solche Neuigkeiten lesen. Interessanterweise sagt der Artikel recht wenig darüber aus, was passiert, wenn die Kraftwerke tatsächlich nicht rechtzeitig bereit sein sollten. Die entsprechenden Ueberlegungen, wie schlimm es wirklich ist, wenn mehrere Tage der Strom ausfällt, muss der Leser selber machen. Wenn er es nicht tut, wird er den Artikel vielleicht kaum beunruhigend finden: Es sind schliesslich ständig irgendwelche Dinge im zeitlichen Verzug, ohne dass deswegen gleich das Chaos ausbricht. Wer die Möglichkeit umfangreicher Stromausfälle im Januar 2000 diskutiert, läuft grosse Gefahr, als Panikmacher und Weltuntergangsprophet attackiert zu werden. Ich habe genügend Artikel gelesen, die das dokumentieren. Aber zum Kukuck, es ist doch, wie es ist, was kann denn der VSE, die SonntagsZeitung oder ich selbst dafür, dass die Werke das Jahr-2000-Problem zu verschlafen drohen? Die Fakten liegen auf dem Tisch. Wer ist schuld, wenn jetzt Panik ausbricht, ich oder die Elektrizitätswerke? (Bewährte Strategie im Zweifelsfall: Erschiesse den Boten.) Es gäbe ja vielleicht noch etwas an den Resultaten herumzumaulen, wenn irgendwelche Externe die Umfrage durchgeführt hätten, die ein Interesse daran haben könnten, die Stromindustrie in ein schlechtes Licht zu rücken. Aber so, mit dem Verband der Elektrizitätswerke selbst? |
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| Dienstag, 12. Januar 1999 | Der Euro fliegt | Vortag |
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Schnell vorneweg: Falls Sie die Story über gewisse Schweizer Krankenhäuser und dem Jahr-2000-Bug über den Jahreswechsel noch nicht kennen, lesen sie Sie kurz z.B. unter http://www.heise.de/newsticker/data/cp-07.01.99-000/. Die Story ist so süss, dass mich gleich mehrere Leser per e-mail darauf aufmerksam gemacht haben. Nun zum Thema: Ich habe einige Male hin und her überlegt, ob ich die erfolgreiche Einführung des Euro kommentieren soll. Die Gefahr besteht, dass ich damit dastehe wie der Prophet, dessen vorhergesagte Katastrophen sich einfach nicht einstellen wollen, und der von allen Leuten nur noch müde belächelt wird, weil er starrköpfig und unbelehrbar immer neue Katastrophen kommen sieht: "Aber das nächste Mal wird es ganz bestimmt furchtbar schlimm!" Ich nehme die Gefahr heute in Kauf, weil mir das Thema wichtig scheint und das, was ich für einen möglichen Fehlschluss bei der Sache anschaue, ziemlich fatal. Es gab einige Artikel wie z.B. denjenigen unter http://www.zdnet.com/zdy2k/1999/01/5490.html, die etwa wie folgt argumentierten: Entgegen vieler düsterer Prognosen von nahmhaften Fachleuten aus Informatiker- und Y2K-Kreisen klappte die Einführung des Euro nahezu reibungslos. Damit wurde ein Mammut-Informatik-Projekt rechtzeitig und erfolgreich abgeschlossen. Dies ist ein starker Hinweis darauf, dass unsere Fähigkeiten, so etwas erfolgreich durchzuziehen, grösser sind als immer behauptet und befürchtet. Die schwarzmalenden Fachleute sind hiermit sozusagen auf ihre Plätze verwiesen, ihre Glaubhaftigkeit in Frage gestellt. Und weil diesmal die Welt mit der Einführung des Euro nicht im Chaos versunken ist, besteht nun berechtigte Hoffnung, dass sie das im Januar 2000 auch nicht tun wird. Ich will die Haupt-Fehlüberlegung, die meiner Meinung nach in dieser Argumentation steckt, vereinfacht und etwas überspitzt so formulieren (ich bin sofort einverstanden, wenn jemand behauptet, dass die Sache noch viele weitere Aspekte hat als den hier dargestellten): Eine Bank/Firma/Behörde steht Anfang 1997 vor dem Problem, dass sie zwei Mammut-Projekte fast gleichzeitig durchziehen soll: Das eine (Euro-Einführung) muss bis am 1.1.1999 abgeschlossen sein. Die zwei Jahre für dieses Projekt sind knapp bemessen und stellen eine grosse Finanz- und Kapazitäts-Belastung dar. Das andere (Jahr-2000-Fähigkeit) hat etwas länger Zeit, es muss am 1.1.2000 abgeschlossen sein. Es ist aber noch grösser als das erste, die drei Jahre sind ebenfalls knapp bemessen, es stellt ebenso eine grosse Belastung dar. Weil die Bank/Firma/Behörde keinen Weg sieht, über die beiden Jahre, in denen sich die Projekte überschneiden, beide gleichzeitig im vollen eigentlich geforderten Umfang anzugehen, wird beschlossen, das eine (Euro) voll durchzuziehen, und zusätzlich ein bisschen vom zweiten (Y2K) noch irgendwo reinzuquetschen, so gut es geht. Der Hauptumfang dieses zweiten Projekts wird aber erst einmal weit weg geschoben, nach dem Motto "Wenn wir erst mal den Euro durch haben, packen wir dieses Y2K-Dings schon noch irgendwie". Naheliegend übrigens, welches Projekt bevorzugt wird: das mit der näheren Deadline, dasjenige, worunter sich die Leute etwas darstellen können, dasjenige, welches zu etwas verhilft, was weitherum als etwas sehr Positives und Erstrebenswertes angesehen wird. Nicht das mit der entfernteren Deadline, dasjenige, das von einem etwas nebulösen und schwer zu packenden Problem handelt, und dasjenige, welches zwar eine Menge Kosten und Aerger verursacht, aber einen eigentlich keinen Schritt weiterbringt. Jetzt stossen die Manager der Bank/Firma/Behörde auf die gelungene Euro-Einführung mit Champagner an und denken in der allgemein herrschenden Freude noch nicht daran, womit sie diesen Erfolg "erkauft" haben, dass sie jetzt ein Dreijahres-Projekt irgendwie in einem Jahr durchziehen müssen. Und Journalisten, die von diesem Umstand nichts wissen oder nichts wissen wollen, frohlocken, seht, wie gut wir Mammut-Informatik-Projekte durchziehen können, das nächste wird bestimmt noch besser... |
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| Montag, 11. Januar 1999 | Rick Cowles | |
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Ich fahre fort mit meiner Serie "Jahr-2000-Persönlichkeiten": Der Amerikaner Rick Cowles wird allgemein als der Experte in den USA betrachtet, wenn es um Stromproduktion im Zusammenhang mit dem Jahr-2000-Problem geht. Seit fast 20 Jahren arbeitet er in der Elektrizitäts-Branche, und bereits seit etwa Mitte 1997 beschäftigt er sich intensiv mit Y2K. Resultate hiervon sind z.B. ein Buch zum Thema ("Electric Utilities and Y2K"), eine Zeugenaussage vor einem Y2K-Kongress-Ausschuss, Fernsehauftritte, und seine informative Website zum Thema: http://www.euy2k.com Dort findet man auch weitere biografische Informationen unter http://www.euy2k.com/contact.htm. Kürzlich gab er dem Medien-Unternehmen CBN ein ausführliches Interview über den laufenden Stand der Bewältigung des Jahr-2000-Problems in der Elektrizitäts-Branche der USA. Es steht unter http://www.cbn.org/y2k/cowles.htm auf der CBN-Website zur Verfügung. Demjenigen, der Englisch kann und der sich für das Problem interessiert, möchte ich wärmstens empfehlen, das Interview zu lesen, auch wenn es ziemlich umfangreich ist. Cowles legt die Fakten auf den Tisch, mit der ruhigen, sachlichen Art von jemandem, der seine Sache wirklich versteht. Es ist gar nicht möglich, hier einen umfassenden Ueberblick zu geben über alle die Dinge, die in dem Interview angesprochen werden. Darum hier nur ein paar Highlights, quer durch herausgepickt, um Ihnen Lust auf den Artikel zu machen: Cowles nimmt Bezug auf die Glockenkurve, wie sie Hyatt verwendete in seiner Y2K-Argumentation (siehe 28. Oktober 1998) und schätzt grob, dass etwa 15% aller Firmen und Werke im Strom-Geschäft der USA sich im vorderen Teil der Kurve befinden (die "Musterschüler", also bereits bereit oder nahe dran), etwa 60% in den grossen Mittelteil gehören (immer noch mitten in der Arbeit, aber mit guten Chancen, rechtzeitig abzuschliessen) und etwa 15% in den hinteren Teil der Kurve (immer noch nicht begonnen oder erst seit kurzem an der Arbeit, und darum in ernster Gefahr, die Deadline zu verpassen). Man kann nicht einfach so das ganze nordamerikanische Strom-Verteilungsnetz in kleinere Sub-Netze aufteilen, wenn es Probleme gibt, bis hin zum Extrem eines lokalen Kraftwerks, das nur noch "seine" Stadt mit Strom versorgt. Man kann das nur tun, wenn dies vorbereitet ist, womit man bald einmal beginnen müsste, um rechtzeitig bereit zu sein. Auch die Strom-Branche kann nicht einfach die Computer und Kontroll-Systeme links liegen lassen, wenn es damit Probleme gibt, und zu manuellem Betrieb zurückkehren. Zu einem grossen Teil sind nicht einmal mehr die nötigen Steuergeräte vorhanden, ganz abgesehen von den Leuten mit entsprechenden Kenntnissen. Es kann relativ einfach sein, ein Kraftwerk wieder um die Möglichkeit einer manuellen Steuerung zu erweitern, aber man muss es tatsächlich tun, wenn man diese Möglichkeit am 1.1.2000 zur Verfügung haben will. Das Problem der "embedded systems" ist gemäss Cowles real. Es irritiert ihn, dass Betreiber von Atomkraftwerken oft betonen, ihre Anlagen funktionierten ohne "embedded systems", und sich dann bei etwas genauerem Hinsehen herausstellt, dass sich diese Aussage lediglich auf die Systeme für die notfallmässige Reaktor-Abschaltung bezieht. Interessant ist auch die Aussage, dass es bei Lieferanten von jahr-2000-fähigen Geräten für Kraftwerke mittlerweile zu Lieferengpässen kommt. Das beste Jahr-2000-Projekt nützt einem Kraftwerk schliesslich nichts, wenn es die Ersatzgeräte nicht bekommt, die es für die Umstellung benötigt. |
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