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Archiv der Woche 29/1999 (19. Juli bis 23. Juli 1999)
Hier finden sich folgende Tages-Einträge:
| Freitag, 23. Juli 1999 | Ferien! |
| Donnerstag, 22. Juli 1999 | Feuer in Toronto |
| Mittwoch, 21. Juli 1999 | Informatik-Projekte, Stil "Kalifornien" |
| Dienstag, 20. Juli 1999 | Stromausfall in New York |
| Montag, 19. Juli 1999 | Jahr-2000-Problem oder nicht? |
| Freitag, 23. Juli 1999 | Ferien! | Vortag |
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Ferien! In den nächsten zwei Wochen gibt es kein Tagebuch, denn dann bin ich weg. Getreu dem Motto eines Pop-Songs aus der Zeit, als der Kalte Krieg auf dem Höhepunkt war, mache ich eine Reise: "Besuchen Sie Europa, solange es noch steht". Der nächste Tagebucheintrag erfolgt voraussichtlich am Montag, dem 9. August 1999. Bis dahin werde ich auch keine e-mail lesen können. Auch wenn es jetzt hier zwei Wochen lang nichts Neues gibt, haben viele Leser vielleicht die eine oder andere Ecke des Tagebuchs noch nicht besucht und können sich jetzt damit die Wartezeit etwas verkürzen. Ich denke dabei vor allem an die Uebersetzungen. Für jemanden, der jetzt in den Ferien endlich mal Zeit zum Lesen hat, ist vielleicht der Download des ganzen Tagebuchs in einem Rutsch für das gemütliche Offline-Lesen ohne Telekom-Kosten-Stress das Richtige - siehe Download. Ich möchte mich für die nächsten zwei Wochen verabschieden mit dem folgenden kleinen Stück Jahr-2000-(Galgen-)Humor, das ich in einem Y2K-Magazin gefunden habe und das Gary North zugeschrieben wird:
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| Donnerstag, 22. Juli 1999 | Feuer in Toronto | Vortag |
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Ich hab's schon die ganze Woche von Ausfällen, Pannen und Fehlschlägen, die Hinweise darauf geben, dass unsere hochtechnisierte Welt in gewisser Beziehung ganz schön allfällig geworden ist. Ich dachte mir, heute setz' ich noch einen drauf: Der Telekommunikations-Konzern "Bell Canada" hat in der kanadischen Stadt Toronto ein Gebäude, prallvoll mit Telefon-Vermittlungsanlagen, Internet-Routern usw. Letzten Freitag, am 16. Juli, etwa morgens um 8 Uhr, liess dort ein Arbeiter aus Versehen ein Werkzeug fallen. Dieses fiel in einen Stromverteiler und löste dadurch eine Explosion und anschliessend ein Feuer aus. Die Löschaktion, an der 75 Feuerwehrleute mit 15 Fahrzeugen beteiligt waren, dauerte bis in den Nachmittag hinein. Die für die Notstromversorgung vorgesehenen Batterien sprangen zwar zuerst wie vorgesehen ein, hielten jedoch nicht durch, bis das Feuer gelöscht und die reguläre Stromversorgung wieder hergestellt werden konnten. Die Auswirkungen auf die Telekommunikation waren verhehrend. In Toronto funktionierten 110'000 Telefone mehrere Stunden lang nicht, das Internet brach zusammen, das "911"-Notrufnummern-Netz war zeitweise instabil, Geldautomaten und Kreditkarten-Validierung in Läden funktionierten nicht mehr. Die Börse in Toronto musste den Handel vorübergehend einstellen. Die Störungen wirkten sich auch in anderen Städten Kanadas aus und sogar in einigen Städten der USA, die nahe bei Kanada liegen. Diese Geschichte findet man unter http://www.wired.com/news/news/technology/story/20783.html. Während "Wired" kühl und sachlich über den Vorfall berichtete, brachte der "Toronto Star" ein recht deutliches Editorial mit dem Titel "Ein Vorgeschmack auf das Jahr 2000?". Ein ironisches Müsterchen aus http://www.thestar.com/thestar/back_issues/ED19990720/opinion/990720NEW01b_ED-Y2K.html, von mir aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt:
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| Mittwoch, 21. Juli 1999 | Informatik-Projekte, Stil "Kalifornien" | Vortag |
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Kein anderer Staat der USA hat in den letzten 10 Jahren so viele Informatik-Grossprojekte in den Sand gesetzt wie Kalifornien. Die Projekte waren nicht etwa viel zu spät, oder die fertigen Systeme erfüllten nur einen Teil der nötigen Funktionalität. Nein: Die Projekte wurden nach x Jahren und x Millionen Dollar gestoppt. Zeit und Geld waren unwiederbringlich verloren. Da ist z.B. das Projekt, in dem versucht wurde, ein System für das Ausstellen und Ueberprüfen von Führerscheinen für ganz Kalifornien zu bauen. Nach Jahren eines völlig glücklosen Verlaufs und nach 51 Millionen Dollar verbraucht wurde das Projekt gestoppt. Kalifornien arbeitet heute noch mit dem alten, mittlerweile ziemlich unzulänglichen System, das seit vielen Jahren abgelöst sein sollte. Das Warten auf einen neuen Führerschein in Kalifornien kann dauern. Oder dann das System, mit dessen Hilfe die Zahlung von Alimenten an Scheidungskinder neu organisiert werden sollte, und das vor allem eine effiziente Suche nach Eltern, die sich der Zahlung der Alimente zu entziehen versuchen, ermöglichen sollte: Nach über 100 Millionen Dollar Entwicklungskosten und keinem brauchbaren Endresultat in Sichtweite wurde da die Notbremse gezogen. Heute noch zahlt jemand, der keine Lust hat, in Kalifornien einfach die Alimente nicht, zu denen er bei der Scheidung verpflichtet wurde, und hat gute Chancen, damit durchzukommen. In diese Serie reiht sich nun nahtlos der neueste kalifornische Fehlschlag ein: Ein Projekt, in dem verschiedene Systeme für Sozialhilfe hätten miteinander integriert werden sollen, wurde irgendwann im ersten Halbjahr 1999 still und leise zu Grabe getragen, nachdem es soweit aus den Fugen geraten war, dass keine Hoffnung mehr bestand, etwas Vernünftiges hinzukriegen. 18 Millionen Dollar hat diese Episode gekostet. Diese und noch ein paar vermurkste Systeme mehr findet man im Bericht unter http://www.deja.com/getdoc.xp?AN=500426615&fmt=text (der Original-Artikel der "L.A. Times" ist leider schon weg). Und wie sieht es in Kalifornien aus mit dem Jahr 2000? Wo man doch je nach Sichtweise die Arbeiten zur Erreichung der Jahr-2000-Fähigkeit in der ganzen Staatsverwaltung als ein Informatik-Projekt von noch nie dagewesenem Umfang und völlig neuartiger Vielfalt ansehen kann? Nun, wenn man sich den neuesten Quartals-Statusbericht der Regierung vom April ansieht (als Adobe-Acrobat-Dokument unter http://www.year2000.ca.gov/attachments/Quarterly_Report_April_1999.pdf), bekommt man den Eindruck, es sehe gut aus. Alles hübsch geplant, alle schön am Arbeiten, es geht voran. Warum nur beschleichen mich leise Zweifel, ob wohl wirklich alles so gut steht wie im Bericht dargestellt? Muss wohl am schwülen Wetter liegen. |
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| Dienstag, 20. Juli 1999 | Stromausfall in New York | Vortag |
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Vor etwa 2 Wochen litt New York unter einer der grössten Hitzewellen seit Jahren. In der Folge stieg der Stromverbrauch durch all die auf Hochtouren laufenden Klimaanlagen, Ventilatoren und Kühlschränke ebenfalls auf ein Rekordniveau. Unter anderem durch diese starke Belastung kam es in Teilen von Manhattan in der Nacht vom Dienstag, den 6. Juli, auf den 7. Juli zu einem Stromausfall, der mehrere Stunden dauerte, an einigen Orten bis weit in den Mittwoch hinein. Dieser doch recht massive Ausfall schien zuerst kaum gross Folgen nach sich gezogen zu haben. Insbesondere war alles ruhig geblieben; es war nicht wie beim grossen Blackout von 1965 (siehe 23. März 1998) zu Plünderungen und Unruhen gekommen. Die Sache wurde (natürlich) auch im Usenet diskutiert. Gewisse Extrem-Optimisten liessen es sich nicht nehmen, den Pessimisten eins ans Bein zu treten mit spitzen Bemerkungen etwa folgender Art: "Ihr behauptet immer, wenn der Strom ausfällt, bricht sofort das grosse Chaos aus. Also, wo war denn nun das Chaos in Manhattan?" Siehe z.B. http://www.deja.com/getdoc.xp?AN=499111961&fmt=text. Dann allerdings, als dieser Hick-Hack zwischen den beiden Parteien schon wieder am Abflauen war, erschien am Freitag, dem 9. Juli, ein Bericht darüber, was der Stromausfall an der Columbia-Universität angerichtet hatte. 4 Gebäude der Universität mit Forschungslabors waren ohne Strom gewesen. Diese verfügen zwar an sich über eine eigene Notstrom-Versorgung mit Hilfe von Generatoren, aber Sie können es sich ja denken: Als man die Generatoren jetzt einmal brauchte, waren sie nicht einsatzbereit. Proben von Geweben, Blut, Viren und Bakterien wurden vernichtet, als die Temperatur zu steigen begann in den Tiefkühltruhen, wo sie aufbewahrt wurden. Die Forscher konnten nicht schnell genug alle Proben notfallmässig mit Trockeneis weiter kalt halten. Zudem wurden Zellkulturen zerstört, die in Inkubatoren auf konstanter Wärme gehalten werden müssen, um zu überleben. Ein Sprecher der Universität gab bekannt, es werde Wochen, ja vielleicht sogar Monate dauern, bis die Forscher sich nur einen Ueberblick darüber verschafft haben werden, was alles verlorengegangen ist. Es sei aber jetzt bereits klar, dass für viele wichtige Forschungsprojekte grosser Schaden entstanden ist. Diese Geschichte findet man unter http://www.deja.com/getdoc.xp?AN=499099336&fmt=text. Natürlich war inklusive allem Schaden an der Columbia-Universität dieser Stromausfall immer noch keine wirklich schlimme Sache. Aber über etwas mache ich mir wirklich Sorgen: über das erschreckende Ausmass an Sorglosigkeit, das dieses Ereignis an den Tag bringt. Ich befürchte, Y2K wird x mal schlimmer, als eigentlich sein müsste, ganz einfach deswegen, weil den Leuten ihre überhebliche Haltung "Also mir kann gar nichts passieren, ich habe schliesslich alles im Griff" nicht auszutreiben ist. |
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| Montag, 19. Juli 1999 | Jahr-2000-Problem oder nicht? | |
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Wiederum meinen Dank an diejenigen, die an meiner letzten Umfrage teilgenommen haben. Wie man sieht, investieren etliche meiner Leser ziemlich massiv Zeit in das Jahr-2000-Problem. Grob gesagt wendet der "durchschnittliche" Antwortende im Schnitt etwa 1 Stunde Zeit auf pro Tag mit Dingen rund um 2000. Erstaunlich. Heute möchte ich anhand zweier Vorfälle etwas erläutern, das sich zu einem Trend auswachsen könnte: Vor einiger Zeit führte die schwedische Telefongesellschaft "Telia" einen Jahr-2000-Test durch. Getestet wurde im Rahmen einer Notfallplanung das korrekte Funktionieren der Notstromversorgung in einer Telefonzentrale im Ort Ljusdal. Es gibt da einen Generator, der den Strom für die Zentrale liefert, wenn vom Netz keiner mehr kommt. Dieser Generator braucht aber etwa eine Minute, bis er voll angelaufen ist. Für das Ueberbrücken dieser Minute gibt es eine grosse Batterie, so dass also jederzeit eine lückenlose Versorgung mit Strom gewährleistet sein sollte. Als man den Test durchführte, begann zwar der Generator wie vorgesehen anzulaufen, aber die Ueberbrückungs-Batterie versagte kläglich. In der folgenden Minute ohne Strom gerieten die Dinge in der Zentrale gehörig durcheinander, und es gab sogar einen Domino- Effekt, in dem sich die Probleme in der Zentrale auf 41 weitere Verteiler ausbreiteten. Resultat: 19'000 private Abonnenten und 750 Firmen hatten für mehrere Stunden kein Telefon. Diese Geschichte, die ich einem Leser zu verdanken habe, gibt es meines Wissens leider nur auf Schwedisch, unter http://www.aftonbladet.se/telegram/0,1082,9001412_INR__,00.html. Die zweite Geschichte ist fast noch schöner: Das kanadische Versorgungsunternehmen "BC Hydro" war sich seiner Sache so sicher, dass es zum Jahr-2000-Test eines Wasserwerkes Presse und Fernsehen einlud. Geplant war, das Werk runterzufahren, alle Uhren auf 2000 vorzustellen und dann das Werk von einer 190 km entfernten Schaltzentrale her gesteuert wieder hochzufahren. Peinlicher geht es wohl kaum: Vor laufenden Kameras ging dieser Test schief, und es gelang erst 22 Minuten nach dem geplanten Zeitpunkt, das Werk wieder in Betrieb zu nehmen. Dabei hatte nicht irgendein Computer ein Jahr-2000-Problem, das übersehen worden war, sondern der Grund für die Verzögerung war ein Kommunikations-Problem zwischen Werk und Schaltzentrale, verursacht durch einen menschlichen Bedienungsfehler. Diese Sache findet man unter http://www.cbcnews.cbc.ca/cgi-bin/templates/view.cgi?/news/1999/07/13/y2k990713. Bei Beispielen wie solchen betonen die Verantwortlichen jeweils, dass die Sache nicht wegen Jahr-2000-Problemen schiefgegangen sei und wollen damit wohl andeuten, dass man trotz gescheitertem Test eigentlich alles im Griff habe. Bei solchen Beispielen gibt es auch im Usenet immer wieder angeregte Diskussionen. Regelmässig gibt es da Leute, die die Beispiele gar nicht zur Diskussion zulassen wollen, weil sie der Meinung sind, es handle sich nicht um Jahr-2000-Probleme und somit um Vorfälle, die bezüglich Jahr 2000 irrelevant sind. Diese Versuche, fehlgeschlagene Tests herunterzuspielen mit Argumenten, sie seien nicht wegen eigentlichen Jahr-2000-Problemen fehlgeschlagen, könnten an Zahl rasch zunehmen und sich wie gesagt zu einem neuen Trend auswachsen. |
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