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Archiv der Woche 5/1999 (1. Februar bis 5. Februar 1999)
Hier finden sich folgende Tages-Einträge:
| Freitag, 5. Februar 1999 | Jahrtausendbabies |
| Donnerstag, 4. Februar 1999 | Zwei neue Y2K-Websites in Deutsch |
| Mittwoch, 3. Februar 1999 | GartnerGroup Regional Briefing |
| Dienstag, 2. Februar 1999 | Oeltanker |
| Montag, 1. Februar 1999 | Aus dem Land der Rechtsanwälte: Update |
| Freitag, 5. Februar 1999 | Jahrtausendbabies | Vortag |
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Die Idee lag schon seit einiger Zeit in der Luft. So wurde z.B. bereits vor etwa 2 Wochen etwas in dieser Richtung auf dem Usenet gepostet. Aber jetzt scheint es in die heisse Phase zu gehen: Es geht darum, zu versuchen, ein Kind so zu zeugen, dass es mit möglichst grosser Chance am 1.1.2000 auf die Welt kommt, ein "Jahrtausendbaby" sozusagen. Ein britischer Fernsehsender hat ausgerechnet, dass der 17. März der beste Tag für den entsprechenden Zeugungsakt ist, und hat nun offensichtlich vor, an diesem Tag eine Fernsehaktion zu starten, um die Dinge ins Rollen zu bringen. Lesen Sie selbst unter http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/glosse/2623/1.html. Ist das wieder einmal ein Zeichen, dass die Leute das Jahr-2000-Problem nicht ernst nehmen? Wo die Spezialisten sagen, vielleicht keine so gute Idee, eine Operation ausgerechnet auf den 1.1.2000 zu planen, und die Fernsehleute möglichst viele werdende Mütter genau am 1.1.2000 in den Gebärsaal zu bringen versuchen? Die können jemanden wie mich, der sich Tag für Tag die Finger wundschreibt am Jahr-2000-Problem, glatt die Wände hochtreiben. Ein Reporter des Sonntagsblick hat vor einiger Zeit eine andere Idee aufgebraucht: Vielleicht gäbe es durch häufige und lange Stromausfälle ungefähr 9 Monate nach der Jahreswende einen Babyboom, so wie es ihn nach dem grossen Stromausfall in New York (siehe 23. März 1998) gegeben habe. Diese Idee ist zwar von der harmloseren Sorte, aber auch ziemlich naiv, wenn Sie mich fragen: Die Leute sollen also gleich reihenweise miteinander ins Bett hüpfen und Kinder zeugen, nur weil mangels Strom alles dunkel ist und der Fernseher nicht mehr läuft? Wie wäre es da mit Herausschrauben der Sicherungen im Haushalt als neue Verführungstaktik bei lustloser Ehefrau? Sagen Sie aber nicht, ich hätte Ihnen zu so etwas geraten. Und um Ihnen den Tag noch ganz zu verderben, teile ich Ihnen jetzt mit, dass schon die Sache mit dem Baby-Boom damals nichts weiter ist als eine "urban legend", ein modernes Märchen. Gut erfunden, immer wieder gern erzählt und für ein Schmunzeln gut, aber schlicht und einfach nicht wahr. Siehe http://www.urbanlegends.com/medical/blackout_baby_boom.html. |
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| Donnerstag, 4. Februar 1999 | Zwei neue Y2K-Websites in Deutsch | Vortag |
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Es gibt mittlerweile Informationen über das Jahr 2000 auf Deutsch wie Sand am Meer. Schade nur, dass es sich dabei überwiegend um wieder und wieder daselbe handelt, nämlich um zwei, drei "Pflichtseiten" mit kurzen Erklärungen, worum es überhaupt geht, und ein paar Seiten mit Informationen über die Jahr-2000-Fähigkeit der eigenen Produkte, auf den Websites von Hunderten von Firmen. Websites, die vollständig oder überwiegend dem Thema gewidmet sind, und wo ein gewisses persönliches Engagement dahintersteht, sind leider immer noch sehr rar. Darum ergreife ich jetzt die Gelegenheit, wo zwei solche neuen Websites aufgetaucht sind und prächtig gedeihen sprich ständig ausgebaut werden, diese vorzustellen. Die eine Site unter http://www.enrg.net/y2k/ wird betrieben von einem gewissen Cornelis Steinitz. Er bietet nicht nur Informationen an über das Problem an sich, sondern trägt auch Ratschläge zusammen, wie man sich privat konkret gegen etwaige negative Folgen des Jahr-2000-Problems absichern kann. Steinitz ist zudem ein regelmässiger Poster in der Newsgroup de.alt.jahr2000 und stellt sich offen der Diskussion - ein Vorteil gegenüber vielen anderen Leuten, an die man kaum herankommt. Er scheut sich auch nicht, kontroverse Themen anzugehen. Ich finde das gut - es wäre meiner Meinung nach dumm, gewisse Dinge rund um das Jahr-2000-Problem nicht durchzudenken, nur weil man sie zu schrecklich findet. Soweit ich das sehe, macht sich hier jemand ernsthaft Sorgen und bleibt nicht dabei stehen, sondern versucht, die Situation zu verbessern. Die wohlbekannte Argumentation "Seht her, der will Geld verdienen und macht Euch darum Angst" greift hier z.B. nicht. Die zweite Site ist unter der etwas drastisch klingenden URL http://www.zeitbombe-Jahr2000.de/ zu erreichen. Ein gewisser Paul Nellen trägt hier Jahr-2000-Informationen zusammen, wobei er häufig topaktuell ist und Meldungen noch am selben Tag aufnimmt, an dem sie publik werden. Zum Teil leistet er auch Uebersetzungs-Arbeit, um englische Artikel der breiten deutschen Leserschaft zugänglich zu machen. Auch Nellen diskutiert gelegentlich in de.alt.jahr2000 mit. Uebrigens: Heute abend um 23:15 wird im ZDF eine Sendung zum Jahr 2000 ausgestrahlt: Countdown ins Chaos. Mir ist nicht klar, ob es sich um eine neue, noch nie gezeigte Sendung oder um eine Wiederholung derjenigen handelt, die bereits vor einigen Wochen auf Südwest 3 zu sehen war. Schauen wir mal! |
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| Mittwoch, 3. Februar 1999 | GartnerGroup Regional Briefing | Vortag |
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Gestern war ich an einer Veranstaltung der GartnerGroup in Zürich, einem sogenannten "Regional Briefing", unter dem Motto Two IT Challenges Are Coming Your Way ("Zwei Informatik-Herausforderungen kommen auf Sie zu"). Zum einen ging es dabei um Y2K, zum anderen um den Euro. Es hat sich herausgestellt, dass ich Herrn Hauser, den Chef der GartnerGroup Schweiz, zu den Lesern meines Tagebuchs zählen darf, und er hat mich freundlicherweise als Gast zu dieser Veranstaltung eingeladen. Referent betreffend Jahr 2000 war Andy Kyte, ein auf diesem Gebiet weitherum bekannter Fachmann der GartnerGroup aus England. In seinem Vortrag ging es um verschiedene Aspekte der Problematik der "embedded systems". Ich muss sagen, es war ein Erlebnis, diesen Mann in Aktion zu erleben. Wenn Sie Gelegenheit haben, einen Vortrag von ihm zu besuchen, kann ich Ihnen empfehlen, gehen Sie hin. Ganz kurz zu seinem Vortrag: Er hat auf eine für mich plausible Weise dargelegt, warum die Welt am 1.1.2000 wegen der Problematik der "embedded systems" höchstwahrscheinlich nicht im grossen Chaos versinken wird, und er hat auch gezeigt, dass die Problematik dieser Systeme nicht alleine wegen der grossen Zahl schon unlösbar ist. Er hat allerdings auch keinen Zweifel daran gelassen, dass die Problematik real ist und man sie angehen muss, wenn man z.B. als Produktionsbetrieb noch funktionsfähig sein will am 1.1.2000. Ich werde wahrscheinlich in einem späteren, eigenen Tagebuch-Eintrag über einige seiner Kern-Aussagen berichten. Nun zu einigen Beobachtungen und Informationen ausserhalb der eigentlichen Vorträge. Da ist z.B. die allgemeine Stimmung an dieser Veranstaltung: ziemlich ruhig, mit angeregten, aber nicht nervösen Diskussionen zwischen den Teilnehmern in den Pausen, keine Fragen an den Referenten etwa in der Art von "Ist es wirklich war, dass ... so schlimm ist wie immer behauptet?" Ich hatte natürlich nicht erwartet, dass die Leute in Panik durcheinanderrennen, aber so ruhig hatte ich mir die Sache doch nicht vorgestellt. Für mich als den Pessimisten, der ich bin, nicht unbedingt ein gutes Zeichen: Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass man die Sache so gut im Griff hat, wie die Besucher der Veranstaltung ruhig waren. Mit fortschreitendem Kalender und wachsender Zeitnot dürfte da noch einiges auf uns zukommen. Interessant die Antwort von Kyte, was seine grösste Sorge sei bezüglich Y2K: ziemlich eindeutig der öffentliche Sektor, d.h. Regierungen, Behörden, Verwaltungen. Dieser Sektor habe spät begonnen, das Problem in Angriff zu nehmen, und habe wegen Geldknappheit Probleme, gute Leute für die Projekte verpflichten zu können. Auf die relativen Fortschritte der verschiedenen Länder und Kontinente bei der Bewältung des Jahr-2000-Problems angesprochen, machte er punkto Deutschland folgende Aussage: Germany still does not get it (in etwa "Deutschland hat es immer noch nicht begriffen"). Betreffend Asien sieht er Japan als Problemfall an. |
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| Dienstag, 2. Februar 1999 | Oeltanker | Vortag |
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Anfang Dezember veranstaltete die UNO eine internationale Y2K-Konferenz, an der über 120 Länder teilnahmen. Der amerikanische Delegierte, der wohlbekannte Mr. Koskinen (siehe 29. Juni 1998) machte auf dieser Konferenz eine Aussage, die für ziemliches Aufsehen sorgte, weil sie sich abhob von seinen üblicherweise ziemlich optimistischen Aussagen. Er äusserte sich über den weltweiten Schiffsverkehr. Er zeigte sich besorgt, weil auf diesem Sektor bisher weit weniger Fortschritte erzielt worden seien als z.B. bei der Stromversorgung oder der Telekommunikation, und machte auf die grosse 95-prozentige Abhängigkeit der USA von der Hochsee-Schiffahrt beim Import von Gütern aufmerksam. Er meinte, hier sei ein kritischer Bereich bisher der Aufmerksamkeit entgangen. Diese Informationen stammen aus dem Artikel unter http://cnn.com/TECH/computing/9812/12/y2k.un/. Wie kritisch es wirklich steht in der Schiffahrt, lässt sich am Beispiel der Oel-Supertanker sehr schön zeigen. Um Personal und damit Kosten zu sparen, gibt es seit vielen Jahren einen deutlichen Trend zu immer grösserer Automatisierung und Computerisierung dieser Schiffe. Heute enthält ein moderner Tanker zwischen 50 und 200 Computer und "embedded systems" und kann mit einer Crew von lediglich 10 Leuten gefahren werden. Es gibt berichtet, dass eine bestimmte Tanker-Firma beim Prüfen ihrer Schiffe auf einen beunruhigenden Anteil von 20% nicht-jahr-2000-fähigen Systemen gestossen sei. Natürlich müssen eine ganze Menge anderer Dinge ausser den Tankern auch funktionieren, damit das Oel bei uns oder in den USA tatsächlich ankommt, aber die Tanker sind sicher ein wichtiges Glied in der Kette. C. Jonathan Benner ist ein Verantwortlicher bei "INTERTANKO", einer Vereinigung von Firmen im Tanker-Business mit einem "Marktanteil" von 70% beim Oel-Import in die USA. Am 7. Oktober 1998 lieferte Benner als Experte vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses einen Statusbericht über Tanker und Y2K ab. Man kann seine Aussagen, im Original zu finden unter http://www.house.gov/transportation/y2k/benner.htm, in etwa zusammenfassen mit "Das Problem ist real, und die Lage ist ernst". Auch die amerikanische Küstenwache schlägt mittlerweile Alarm und macht sich nicht nur Sorgen über die Fortführung der Oel-Importe im Jahr 2000, sondern auch über Dinge wie Tanker-Unfälle und daraus resultierende massive Umweltverschmutzung. Siehe http://www.fcw.com/pubs/fcw/1998/1207/fcw-newscoast-12-7-98.html. Das Schöne, oder vielleicht auch gerade das Erschreckende am Beispiel mit den durch Y2K gefährdeten Tankern ist, dass jedermann sehr schnell klar sein dürfte, was passiert, wenn die Oellieferungen ausfallen. Man muss sich darum z.B. nicht mit unsinnigen Argumentationen der Art "Wenn das Oel ausbleibt, machen wir eben wieder alles von Hand" herumschlagen. Und es zeigt, dass eine Beschränkung auf eine rein nationale Sichtweise dem Jahr-2000-Problem in keiner Weise gerecht wird. Wir sitzen buchstäblich alle im gleichen Boot. Jemand hat auf dem Usenet eine ironische Vorhersage gemacht, wie wohl gewisse unverbesserliche Optimisten auf diese Informationen punkto Tanker reagieren werden: Die versuchen dann wahrscheinlich, unsere grosse Abhängigkeit vom Oel als einen riesigen Schwindel darzustellen... |
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| Montag, 1. Februar 1999 | Aus dem Land der Rechtsanwälte: Update | |
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Ich habe am 7. Mai 1998 über die Frage "Jahr-2000-Problem und Produktehaftung" ein Szenario "Stellen Sie sich vor..." aus dem Blickwinkel eines Firmenchefs geschrieben. Heute, als eine Art Update hierzu, ein Bericht darüber, was sich bei den Rechtsanwälten mittlerweile tut. In der einflussreichen amerikanischen Computer-Zeitung Computerworld, online zu finden unter http://www.computerworld.com, fand sich Anfang Januar ein Artikel mit dem etwas reisserischen Titel Der Kampf des Jahrtausends: Informatik-Chefs gegen Rechtsanwälte. Ein gewisser Paul A. Strassmann, seit dreissig Jahren in leitenden Positionen in der Informatik-Branche tätig, berichtet darin von einem Treffen von Rechtsanwälten: Nach Jahren, in denen ich es vorwiegend mit Informatik-Chefs zu tun hatte, sprach ich kürzlich vor einer Versammlung von Rechtsanwälten, die zusammengekommen waren, um Jahr-2000-Themen zu besprechen. Was für einen Unterschied zu diesen gemütlichen, schwatzhaften Informatik-Konferenzen! Die Versammlung der Rechtsanwälte war wie ein Briefing von Panzergenerälen unmittelbar vor dem Angriff. Jede Präsentation war präzise, mit dem vollen Text erhältlich. Die Argumente waren dokumentiert; keine Schaumschlägerei, nur Fakten, Fussnoten und Fallbeschreibungen. Es ist einfach vorherzusagen, wer die Oberhand gewinnen wird: Die Rechtsanwälte haben das Terrain erkundet und ihre Ziele ins Visier genommen. Unterdessen setzen die Informatik-Chefs - wie üblich - auf notfallmässige Reparaturen, Improvisationen, Toleranz gegenüber nicht erfüllten Versprechungen und Budget-Erhöhungen, um ihren Hals aus der Schlinge zu ziehen. Das wird dieses Mal nicht funktionieren. Die Sache ging sogar soweit, dass Privatdetektive ebenfalls an der Versammlung anwesend waren. Sie kommen zum Zug, wenn es darum geht, als Vorbereitung von Prozessen belastende Informationen zu sammeln. Den Artikel findet man unter http://www.computerworld.com/home/print.nsf/all/990104874A. Ich glaube, das ist wieder einmal ein schönes Beispiel dafür, dass man dem Jahr-2000-Problem bei weitem nicht gerecht wird, wenn man sich nur auf seine technischen Aspekte konzentriert. Der in meinem anfangs erwähnten Szenario angedeutete Massen-Exodus von Verantwortlichen in den Firmen aus Angst vor Schadenersatzklagen und Prozessen ist zwar bisher nicht eingetreten. So wie ich es sehe, ist jedoch diese Sache noch lange nicht entschieden. 11 Monate sind lange genug, um sich nach vor Illusionen hinzugeben, man schaffe das schon noch irgendwie. Mit jedem Monat näher am 1.1.2000 wird das zunehmend schwieriger. Jetzt noch ein kleiner Nachtrag zu meinem Tagebucheintrag vom 8. Dezember 1998 punkto Recht: Herr Hunziker vom Schweizer "Millennium-Team" hat mir dem Tip gegeben, dass jetzt ein Buch erschienen ist, das Rechtsfragen rund um das Jahr 2000 unter spezifischer Berücksichtigung der Schweizer Rechtslage behandelt - siehe http://www.millennium.ch/cgi-bin/millennium/timp_mill?SID=3475&TPL=legal/books-de.html |
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