Das Jahr-2000-Problem: Archiv Woche 50/1999

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Archiv der Woche 50/1999 (13. Dezember bis 17. Dezember 1999)

Hier finden sich folgende Tages-Einträge:

Freitag, 17. Dezember 1999 Gefährliche Vorbereitung
Donnerstag, 16. Dezember 1999 99.9%
Mittwoch, 15. Dezember 1999 Es ist immer etwas kaputt, oder?
Dienstag, 14. Dezember 1999 100% - oder doch nicht?
Montag, 13. Dezember 1999 Auf die Stunde genau?
 
Freitag, 17. Dezember 1999 Gefährliche Vorbereitung Vortag

Haben Sie das Gefühl, dass die Internationale Atomenergie-Behörde in Wien etwas von Kernkraftwerken versteht? Können Sie sich erinnern, dass von dieser Behörde je gesagt wurde, sie sei besonders publicity-hungrig oder habe einen Hang dazu, unnötig Panik zu verbreiten? Würden Sie insgesamt sagen, dass es sich hier um Leute handelt, die etwas von ihrem Fach verstehen und gewissenhaft ihre Arbeit tun?

Und wenn nun die angesehene und alterwürdige Zeitung "Times" in England einen Artikel bringt über etwas, was der Vorsitzende jener Behörde gesagt hat, würden Sie davon ausgehen, dass die Reporter der Times das Gesagte sachlich richtig wiedergeben?

Wenn ja, dürfte es Ihnen bei der Meldung unter http://www.the-times.co.uk/news/pages/tim/1999/12/15/timfgnrus02001.html?1124027 vielleicht ergehen wie mir: Es läuft Ihnen kalt den Rücken herab, und Sie müssen kurz mal leer schlucken:

3 Kernkraftwerke im Osten machen der Atomenergie-Behörde besondere Sorgen wegen ihrem Rückstand bei der Vorbereitung auf das Jahr 2000: Ein Kraftwerk in Armenien, eines in Litauen und die noch laufenden Reaktoren in Tschernobyl.

Zum Thema: Ein Mann auf den Philippinen wird ausgeraubt, und ein Mann in Michigan, USA, kommt um ein Haar ums Leben, weil in seinem Keller ein paar Propangas-Flaschen undicht waren und das ausgetretene Gas schliesslich explodierte.

Beide Meldungen haben ihren Weg um die Welt genommen. Jene Zeitungen und Websites haben sich dafür entschieden, die eine oder die andere Meldung zu bringen.

Sie können nicht ganz nachvollziehen, warum es Sie interessieren soll, dass jemand auf den Philippinen ausgeraubt wird? Man könnte schliesslich jeden Tag die Zeitung komplett füllen mit lauter Meldungen über Leute in aller Welt, die ausgeraubt wurden. Und warum sollte ausgerechnet über den erwähnten kleinen Gas-Unfall bis nach Australien berichtet werden? Pro Tag dürften weltweit Dutzende, wenn nicht sogar Hunderte von Unfälle dieser Grössenordnung passieren.

Des Rätsels Lösung ist - natürlich - Y2K. Der gute Mann auf den Philippinen hat nämlich seine ganzen Ersparnisse auf der Bank abgehoben aus Angst vor Y2K und ist dann ausgeraubt worden. Siehe http://de.news.yahoo.com/991214/33/f07x.html. Und der gute Mann in Michigan hat nicht einfach so eine Menge Gasflaschen in seinem Keller gelagert, nein, er wollte sich damit auf das Jahr 2000 vorbereiten. Siehe http://www.abc.net.au/news/y2k/y2k-12dec1999-1.htm.

Ich finde diese beiden Meldungen hochinteressant. Eigentlich nicht die Meldungen selber, sondern die Tatsache, dass sie gebracht werden. Und es gibt immer wieder solche Fälle - man kann von einem richtigen Phänomen sprechen bei diesen seltsamen Y2K-Meldungen. Siehe z.B. 26. November 1999. Für mich gibt es bald nur noch eine Bezeichnung, die diesem Phänomen gerecht wird: Propaganda.

Ich könnte ein halbes Buch darüber schreiben, wer hinter dieser Propaganda stecken könnte und aus welchen Motiven sie wahrscheinlich betrieben wird. Aber hier nur ganz kurz:

Es geht jeweils um Vorbereitung auf das Jahr 2000. Diese muss als unnötig oder sogar als gefährlich dargestellt werden, unter allen Umständen. Würde man von offizieller Seite her zugeben, dass eine persönliche Vorbereitung auf das Jahr 2000 eine sinnvolle Sache ist oder sogar explizite dazu raten, gäbe es einen krassen Widerspruch zum offiziellen Standpunkt, dass Y2K harmlos ist. Die Folgen dieses Widerspruches wären nicht auszudenken.

Und dann ist da noch die Tatsache, dass vom wirtschaftlichen Standpunkt her überhaupt nicht erwünscht ist, dass die Leute Geld ausgeben, um sich auf das Jahr 2000 vorzubereiten. Geld ausgeben schon, aber um Himmels Willen nicht dafür. Siehe hierzu auch 15. April 1999.

 
Donnerstag, 16. Dezember 1999 99.9% Vortag

Ich war bisher der festen Ueberzeugung, dass es recht schwierig ist, ein Informatik-Projekt rechtzeitig abzuschliessen. Ich habe einige Beispiele selbst gesehen, wo dies nicht gelang, von vielen gehört im persönlichen Gespräch mit anderen Informatikern, und wohl von Dutzenden von Beispielen gelesen in Computer-Zeitungen und -Zeitschriften.

Wenn nun eine Organisation nicht nur ein Informatik-Projekt rechtzeitig abschliesst, sondern - sagen wir mal - zehn, die sie gleichzeitig durchführt, muss ich sagen, dass ich das sehr bemerkenswert finde, und ich gratuliere dieser Organisation zu dieser Leistung. Wenn sie sogar hundert Projekte rechtzeitig abschliesst, bleibt mir nur noch, darüber zu staunen.

Aber das ist ja noch gar nichts: Jetzt behauptet eine Organisation, mehrere tausend Informatikprojekte rechtzeitig abgeschlossen zu haben. Mehrere tausend gleichzeitig laufende. Alle auf denselben Zeitpunkt hin. Eine bunte Mischung - viele kleine, viele grosse, einige ganz grosse Projekte.

Und das schönste: Die Kosten, die bei Informatik-Projekten auch eine notorische Tendenz dazu haben, über das ursprüngliche Budget hinaus zu wachsen - ja, diese Kosten, die waren geringer als die anfängliche Schätzung!

Wer diese Leistung vollbracht hat, die fast an ein Wunder grenzt? Die US-Bundesregierung. Präsident Clinton höchstselbst hat die gute Nachricht vorgestern verkündet: 99.9% aller "mission critical"-Systeme der US-Bundesregierung sind jetzt bereit für das Jahr 2000, und die 0.1%, die noch fehlen, werden auch noch bereitgemacht bis zum 31.12.1999.

Siehe http://www.whitehouse.gov/WH/New/html/19991214_1.html.

Wer jetzt denkt, dass die US-Bundesregierung eine Ausnahme darstellt, und sich wohl kaum andere Erfolgs-Geschichten dieses Kalibers finden lassen, der irrt. Warren Bone, mit 25 Jahren ein alter Hase in Informatik-Geschäft und im Moment als Y2K-Projekt-Manager tätig, hat eine ganze Reihe solcher Geschichten zusammengetragen. Man findet sie unter http://www.wbn.com/y2ktimebomb/Computech/Issues/bone9950.htm.

An all den verspäteten Informatik-Projekten, von denen ich gehört oder gelesen habe, müssen Tausende von Informatikern beteiligt gewesen sein. Viele von denen müssen jetzt eigentlich in Jahr-2000-Projekten stecken, die entgegen ihren immer wieder gemachten Erfahrungen rechtzeitig zu Ende gebracht werden können.

Ich habe noch keinen einzigen Artikel gelesen etwa in der Art "Wie wir wider Erwarten diesmal rechtzeitig fertig wurden". Ein wenig seltsam, diese Stille. Bei all den Informatikern, die Grossartiges, für die Branche Aussergewöhnliches geleistet haben, und keinem, der sich damit brüstet.

Und dann all die Informatiker, die nicht an Jahr-2000-Projekten teilnehmen, und die meines Wissens nach wie vor mit Verspätungen kämpfen - müssten die nicht unheimlich scharf darauf sein, in Erfahrungen zu bringen, wie das ging, und fragen: Wie haben die das bloss gemacht?

Entschuldigen Sie bitte, wenn ich hier über etwas so viele Worte verlieren sollte, bei dem Ihnen wie mir längst klar ist, dass es sich um himmelschreienden Unsinn handelt, aber es ist eben leider so, dass die meisten Leute solche 99.9%-Aussagen wie diejenige des US-Präsidenten einfach so glauben.

Nur beweisen kann ich nichts - noch nicht, und Sie wohl auch nicht. In weniger als drei Wochen werden die Dinge allerdings beginnen, sich selbst zu beweisen.

Wie es übrigens aussieht, wenn man möglichst schlechte Nachrichten sammelt und mal alle auf einen Haufen legt, den man dann gemütlich von allen Seiten betrachten kann, sieht man ebenfalls bei Warren Bone unter http://www.wbn.com/y2ktimebomb/Computech/Issues/bone9943.htm.

 
Mittwoch, 15. Dezember 1999 Es ist immer etwas kaputt, oder? Vortag

Fernsehtipp, gesehen auf http://www.zeitbombe-jahr2000.de/, mit Dank an Harald Hardiek, seines Zeichens Autor der Y2K-Wochenchronik (ebenfalls auf "Zeitbombe" zu finden): Heute Mittwoch abend, 15. Dezember 1999, ARD "Thema Live" von 22:00 bis 22:45, mit dem Thema "Crash 2000". Siehe auch http://www.wdr.de/tv/thema-live/. Ich hoffe, Professor Brunnstein heizt dem Minister Müller tüchtig ein.

Die Leute hinter http://www.y2k.at/ suchen noch Teilnehmer für eine umfangreichere und seriöse Umfrage zum Thema Y2K, die später wissenschaftlich ausgewertet werden soll. Wenn Sie Zeit und Lust haben, nehmen Sie teil und helfen dem Fortschritt der Wissenschaft! Den anonymen elektronischen Fragebogen findet man via obigen Link.

Irgendwie komme ich mir bei fast allem, was ich hier im deutschsprachigen Raum mache, vor wie ein kleines Würstchen, wenn ich mit dem Geschehen in den USA vergleiche. Beispiel Umfragen: Kann man doch dem Spiegel-Online-Artikel unter http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/nf/0,1518,55976,00.html entnehmen, dass im Moment alleine über den "Umfragen-Server" FREEPOLLS.COM stolze "63" Umfragen in der Art laufen, wie ich diese Woche auch eine durchführe.

(Uebrigens eine geniale Idee, so ein "Umfrage-Server". Gehen die nächstens an die Börse? Ist wohl eine Menge Geld zu machen mit einem Gratis-Umfrage-Dienst, so dass die Firma hinter FREEPOLLS.COM sicher 10 Milliarden wert sein wird nach dem Börsengang. Tja, alles möglich in der "New Economy", bis auf schlimme Folgen von Y2K; die sind völlig unmöglich.)

Zum Thema: Die AP-Meldung vom Sonntag wurde in den USA von x Zeitungen und Internet-Sites gebracht, von so vielen wie schon lange keine Meldung mehr, und sie hat es sogar bis nach Deutschland geschafft, in den deutschen Yahoo unter http://de.news.yahoo.com/991214/33/f07u.html. Etwas ausführlicher auf Englisch ist die Sache zu sehen z.B. unter http://cnn.com/1999/US/12/12/y2k.failures.ap/index.html.

Im ersten Moment tönt die Idee vielleicht gut: Es besteht die Gefahr, dass in der Silvesternacht die Leute in Panik geraten, wenn es irgendwo ein Problem gibt, z.B. einen Stromausfall oder einen Ausfall des Telefonnetzes, selbst wenn dieses Problem überhaupt nichts mit Y2K zu tun hat. Jedes Problem könnte von den Leuten dahingehend interpretiert werden, dass nun doch das ganz grosse Y2K-Chaos ausbricht, und eine Panik verursachen.

Was kann man da tun? Man kann den Leuten zeigen, dass es immer mal wieder zu solchen Problemen kommt, und dabei noch häufiger, als man vielleicht gemeinhin annimmt, indem man entsprechende Statistiken vorlegt. Wenn die Leute dann sehen, dass z.B. Strom-Ausfälle etwas ziemlich Normales sind, geraten sie auch nicht mehr in Panik, wenn es "zufällig" in der Neujahrsnacht einen solchen gibt.

In meinen Augen ist dies allerdings eine gefährliche Gratwanderung. Mann kann schon versuchen, den Leuten die Augen zu öffnen und ihnen zeigen, dass die Dinge, auf die sie sich praktisch vollständig und blind verlassen, gar nicht so zuverlässig sind, wie sie sich das immer gedacht haben. Man vermeidet damit vielleicht eine Silvesternacht-Panik, aber man handelt sich eventuell auch eine ganze Runde neuer Schwierigkeiten ein.

Schwierigkeiten wie etwa die, dass die Leute alle auf einmal zu Millionen beginnen, sich gegen Infrastruktur-Ausfälle etwas abzusichern, was eine todsichere Methode wäre, um in kurzer Zeit alle Läden leerzufegen. Und die Panik, die beim Anblick der leeren Läden entstünde, wäre wohl nicht von schlechten Eltern.

Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, den Leuten die Augen zu öffnen; ich versuche unter anderem genau das seit fast zwei Jahren. Ich glaube nur nicht, dass Koskinen und seine Leute sich ganz im klaren sind, was sie da tun.

 
Dienstag, 14. Dezember 1999 100% - oder doch nicht? Vortag

Zuerst ein Hinweis in eigener Sache: Ich führe mein Tagebuch auf zwei Servern, dem Server der Megos, auf dem Sie sich wahrscheinlich gerade befinden, unter http://www.megos.ch/Allgemein/tag2000.htm, und als fast vollständig gleichwertige Kopie als "Mirror" unter http://www.meine-notizen.de/2000/. Der Platz für die Kopie wird mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Betreiber von http://2000.klug-suchen.de/, einer Website, die auch einen Besuch wert ist, falls Sie sie noch nicht kennen.

Der Witz hinter der Kopie ist der einer gewissen Absicherung gegen Netz-Probleme: Wenn einmal - aus was für Gründen auch immer - ein Server nicht zugänglich sein sollte, bleibt immer noch der andere. Voraussetzung ist natürlich, dass ich selbst auch noch Zugang habe, um überhaupt neue Tagebucheinträge hochladen zu können, und dass Sie Bookmarks für beide Server haben.

Zwei Links zu interessanten deutschsprachigen Y2K-Websites, die Sie vielleicht noch nicht kennen: http://www.engelhard-home.de/news/news.htm (eine Site mit diversen Ausgaben eines "Jahr-2000-Newsletter") und http://www.y2k.at/ (eine gute österreichische Site, die immer mal wieder Neues bringt).

Das USDA (US Department of Agriculture) setzt mit "Word for Unix" eine ziemlich in die Jahre gekommene Textverarbeitungs-Software ein, eine, für die es schon lange keine neuen Versionen und Updates mehr gibt. Die Rechner, auf denen diese Software läuft, sind ebenfalls schon so alt, dass man darauf nichts Neues mehr installieren kann.

Wie erst kürzlich bekanntgeworden ist, hat das USDA nun damit ein echtes Problem: Einerseits ist die Software nicht jahr-2000-fähig, und zwar ziemlich deutlich, denn ab dem 1.1.2000 kann man damit keine Dateien mehr abspeichern. Andererseits fehlt zumindest im Moment das Geld, um allen Leuten, die Textverarbeitung benötigen, einen neuen PC hinzustellen.

Resultat: Im neuen Jahr werden bis auf weiteres Hunderte von Mitarbeitern des USDA keinen eigenen Rechner mehr haben - es gibt erst mal nur einen Rechner für Textverarbeitung pro Büro, nicht einen pro Mitarbeiter.

Die Geschichte findet man unter http://www.govexec.com/dailyfed/1299/120799j1.htm.

Ich finde diese Geschichte in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Einmal überrascht vielleicht etwas, dass ein UNIX-Programm nicht jahr-2000-fähig ist, weil UNIX selbst in vielen Aspekten schon von jeher jahr-2000-fähig ist. Aber man kann eben auf jedem Betriebssystem Dummheiten programmieren.

Schaut man das USDA nach in den Tabellen von Horn und seinen Leuten (siehe 29. November 1999), findet man eine Jahr-2000-Fähigkeit von satten 100% - siehe http://www.house.gov/reform/gmit/y2k/score_card_final1.pdf, Zeile "Agriculture".

Das ist wahrscheinlich noch nicht mal gelogen, denn in diesen Tabellen sind nur "mission critical"-Systeme aufgeführt, und es kann gut sein, dass Textverarbeitung nicht als absolut unerlässlich eingestuft wurde. Oder man sagte sich, ein PC für Textverarbeitung pro Büro lässt sich mit etwas gutem Willen auch als "Problem gelöst" ansehen.

Womit wir wieder bei den Schwellen angelangt wären. Wenn diese Textverarbeitungs-Geschichte die einzige bleibt, die dem USDA etwas Mühe macht im neuen Jahr, kann man sie getrost als Kuriosum abbuchen und zur Tagesordnung übergehen. Kommen ein paar solche Dinge zusammen, wird das Departement irgendwann schwerfällig, die Fehler, die die Mitarbeiter im Stress begehen, beginnen sich zu häufen, andere, die vom USDA abhängig sind, beginnen darunter zu leiden, usw.

In comp.software.year-2000 wurde das einmal als "death by a thousand paper cuts" bezeichnet - Tod dadurch, dass man sich Tausend mal mit Papier irgendwo schneidet.

 
Montag, 13. Dezember 1999 Auf die Stunde genau?  

Wie Sie sehen, hat die Lust nochmals für eine Umfrage gereicht. Es ist einfach zu spannend, jeweils dem Fortschreiten der Abstimmung zuzuschauen. Die thematisch verwandte Jahr-2000-Umfrage des deutschen Yahoo! ist übrigens mittlerweile völlig ad absurdum geführt, wahrscheinlich durch jemanden, der mit Hilfe eines "Roboters" immer und immer wieder mit "Ja" stimmt. (Die Abstimmung weist keinerlei Schutz gegen eine solche Manipulation auf.) Siehe http://polls.europe.yahoo.com/public/archives/23223085/p-de_news-5?m=r

Das Brunnersche Jahr-2000-Panik-Frühwarnsystem steht bei 153.7%. Gegenüber letzter Woche mit 149.1% ist es also nochmals um eine Spur gestiegen; von Panik ist allerdings immer noch weit und breit keine Spur.

In der Rubrik "bisher dümmste Meldung zum Jahr-2000-Problem" habe ich heute folgende anzuführen: Die britische Regierung hat zwei kleinen Fluggesellschaften in Zusammenhang mit Y2K mit einem Flugverbot gedroht - einem 24-stündigen Flugverbot, beginnend am Silvester. (Danach geht der Y2K-Bug wohl nach Hause, legt sich schlafen, und alles ist wieder gut.) Siehe http://de.news.yahoo.com/991210/9/erpd.html.

Zum Thema: Viele Leute denken bei "Y2K" zuerst an jenen Moment in der Silvesternacht, an dem die Uhr von 23:59:59 auf 00:00:00 umspringt und damit der Kalender von 1999 auf 2000 schaltet. In den folgenden Sekunden und Minuten bricht dann das Chaos aus - oder auch nicht. Bis um Mitternacht wähnt man sich relativ sicher, denn es ist ja schliesslich noch nicht 2000.

Kann man sich wirklich derart auf den exakten Zeitpunkt 00:00 verlassen?

Lassen wir mal bei der Betrachtung alle Systeme ausser acht, die irgendetwas in die Zukunft hineinrechnen und darum zu einem praktisch beliebig frühen Zeitpunkt Datumsangaben im Jahr 2000 produzieren, über die sie dann möglicherweise stolpern, und konzentrieren uns auf Systeme, die primär von der momentanen Uhrzeit abhängig sind.

Ziemlich selbstverständlich ist heute das Bewusstsein für die Tatsache, dass es verschiedene Zeitzonen gibt auf der Erde. Und so ist auch den meisten Leuten klar, dass viele Gebiete der Welt vor uns ins Jahr 2000 eintreten, und auch viele noch nach uns, bis die Erde ihre volle Drehung abgeschlossen hat.

Denkbar also, wenn auch nach meiner Meinung nicht sehr wahrscheinlich, dass eine Störung in einer Zeitzone weiter östlich, etwa in Osteuropa, schon Einfluss auf uns nimmt, bevor es hier Mitternacht wird.

Es gibt noch andere Unsicherheitsfaktoren. Wer sich bis um Mitternacht in relativer Sicherheit wiegt, verlässt sich darauf, dass die Uhren exakt stimmen, auf die es ankommt: all die Millionen von Uhren in den Computern und "embedded systems". Dies muss allerdings nicht so sein.

Dann gibt es Systeme, bei denen aussen hin alle Zeit- und Datums-Angaben lokal erfolgen, die aber intern mit UTC arbeiten. Uns kann dies ziemlich egal sein, weil wir vor UTC liegen, aber z.B. die Amerikaner könnte es so kalt erwischen: Ein UTC-basiertes System mit Jahr-2000-Problem schlägt einige Stunden vor Mitternacht Lokalzeit los.

Ein Beispiel für ein solches System - wenn auch nicht eines, das ein Jahr-2000-Problem aufweist - ist NTFS, das Filesystem von Windows NT. Alle Zeitangaben, z.B. Modifikations-Daten und -Uhrzeiten von Dateien, werden in diesem Filesystem auf Disk in UTC abgelegt und bei der Abfrage mit Hilfe der eingestellten Zeitzone jeweils umgerechnet.

Nimmt man nun all dies zusammen - mögliche Einflüsse aus Zeitzonen vor uns, Uhren, die vorgehen, und Computer, die intern mit UTC statt mit der lokalen Zeitzone rechnen, ergibt sich doch ein gewisses Gefahrenpotential bereits für die Stunden vor Mitternacht.

 

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