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Archiv der Woche 51/1999 (20. Dezember bis 24. Dezember 1999)
Hier finden sich folgende Tages-Einträge:
| Freitag, 24. Dezember 1999 | Ein Y2K-Rätsel |
| Donnerstag, 23. Dezember 1999 | Y2K und PC |
| Mittwoch, 22. Dezember 1999 | Die Magie des Augenblicks |
| Dienstag, 21. Dezember 1999 | Frühwarnung? |
| Montag, 20. Dezember 1999 | München |
| Freitag, 24. Dezember 1999 | Ein Y2K-Rätsel | Vortag |
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Der Y2K-Film auf RTL gestern: Faszinierend. Nein, nicht der Film selbst. Den fand ich an sich recht langweilig, da die Handlung über weite Strecken total vorhersagbar war. Der Film war voll mit ziemlich haarsträubendem Unsinn (Wie finden Sie z.B. Atomreaktor-Temperaturanzeige auf Tausendstel Grad genau?), und fast alle Jahr-2000-Klischees wurden gnadenlos hervorgezerrt, bis zu den sich automatisch öffnenden Gefängnistüren. Nein, faszinierend ist für mich die Tatsache, dass die momentane Stimmung hierzulande es erlaubt, einen solchen Film zu senden, dazu noch ohne irgendwelche Hinweise, dass es sich um reine Fiktion handelt, wie sie in den USA vor und nach der Ausstrahlung gegeben wurden. Noch 'ne Rollover-Verfolgungs-Site, sogar mit einem tollen Namen: http://www.inferno2000.com/. Es sieht mittlerweile so aus, als würde absolut kein Mangel herrschen an Sites, die versuchen, möglichst nahe am Geschehen zu sein in jener schicksalsträchtigen Nacht - unter der Voraussetzung, dass das Internet hält. Dass dies nicht selbstverständlich ist, habe ich am 17. November 1998 versucht zu argumentieren. Manfred Kindler (siehe 18. Oktober 1999) hat in seiner bisher neuesten Wochenchronik "T-10" eine Geschichte, die mir sehr gefallen hat: "Die Fahrt der TITANIC im Jahre 1999" - siehe http://www.manfredkindler.de/aktion2000/chronik.htm#10. Vieles am Verhalten der Reederei da kommt mir sehr bekannt vor... Etwas für die Kategorie "Aber das hat man doch nicht wissen können, das war unmöglich vorherzusehen" (beliebte Ausrede nach Firmenzusammenbruch, circa Februar 2000): Viele Firmen spielen Y2K-Roulette. Mehr als eine Million kleiner Firmen (in den USA) sind bereit, Y2K-Warnungen zu ignorieren und nachträglich zu reparieren, was kaputtgegangen ist. Artikel siehe http://www.zdnet.com/zdnn/stories/news/0,4586,2412212,00.html. Mein Jahr-2000-Kuriosum der Woche: die Tatsache, dass in der deutschen Jahr-2000-Newsgroup "de.alt.jahr2000" immer noch und in immer neuen Varianten die Leute miteinander streiten, wann das neue Jahrtausend anfängt! Ich glaube, in dem Moment, wo die damit aufhören, werde ich mich beherrschen müssen, nicht in Panik zu verfallen, denn dann weiss ich, dass die Stimmung umschlägt.. Hier ein Y2K-Problem der besonderen Art, dass ein Leser an mich weitergeleitet hat. Vielleicht findet jemand eine richtige Lösung (Zeitvertreib bei Kerzenschein im Januar, wenn abends jeweils wieder der Strom ausgefallen ist).
Jetzt bleibt mir nur noch, Ihnen allen eine schöne Weihnacht zu wünschen. Freuen wir uns daran, dass es ein ruhiges Weihnachtsfest geben wird hierzulande und nicht schon alle in Y2K-Panik durcheinanderrennen. |
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| Donnerstag, 23. Dezember 1999 | Y2K und PC | Vortag |
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Am 21. November lief in den USA landesweit im Fernsehen ein Y2K-Katastrophen-Spielfilm. Im Vorfeld des Films war im Usenet heiss diskutiert worden, ob wohl dieser Film der Tropfen sein würde, der das Fass zum Ueberlaufen bringen und eine Y2K-Panik auslösen würde. Auch sonst hat der Film einige Leute offensichtlich reichlich nervös gemacht - vor der Ausstrahlung. Siehe 23. November 1999. Ueberraschung, Ueberraschung: Heute abend sendet RTL doch tatsächlich eben diesen Film, um 20:15, zur besten Sendezeit also: Countdown ins Chaos. Siehe http://www.rtl.de/vorschau/program_info.asp?pi_id=23114. So wie die Dinge bisher gelaufen sind, wird wohl auch bei uns kaum etwas passieren. Schauen wir mal. Zwei weitere Sites, die das Geschehen rund um den "Rollover" beobachten und möglichst aktuell berichten wollen: http://www.inscoe.org/load.cgi?y2kwatch (wo es auch Links gibt zu noch mehr solchen Sites) und http://www.ironic.com/y2k/now.html. Der Betreiber der ersten Site war mir bisher unbekannt; hingegen gehört die zweite Site jemandem, den ich recht gut kenne, zwar nicht persönlich, aber durch das, was er im Usenet so schreibt - siehe 8. April 1999. Zum Thema: Ich habe vor über einem Jahr schon mal etwas geschrieben über das Thema "PC und Y2K" - siehe 22. Oktober 1998. Mir scheint, die Geschichte hat seitdem kaum Fortschritte gemacht. Noch immer konzentriert sich die Diskussion vor allem um die Echtzeituhr, die in jedem PC vorhanden ist, deren Jahr-2000-Fähigkeit und um diverseste Testprogramme für dieselbe. Auch wenn es nur noch wenige Tage sind bis zum Jahreswechsel, möchte ich doch nochmals die Gelegenheit ergreifen, um darzulegen, wo meiner Meinung nach die echte Jahr-2000-Gefahr auf Ihrem PC liegen könnte. Soll mir keiner kommen und sich beklagen, ich hätte nichts gesagt: Der ganze Rummel um die PC-Uhren ist zu einem grossen Teil Leerlauf. Sie müssen schon arg Pech haben, um einen PC zu besitzen, dessen Uhr im Jahr 2000 überhaupt nicht mehr vernünftig läuft. Die meisten PC schaffen es entweder von alleine ins neue Jahr, oder es ist mit genau 1 Mal manuellem Setzen des korrekten Datums getan, und zwar für die nächsten 100 Jahre. Die diversen PC-Betriebssysteme in ihren "Grundfassungen", d.h. so wie sie ursprünglich verkauft bzw. installiert wurden, weisen zwar alle einige Jahr-2000-Macken auf, und ein Einspielen von "Service Packs" bzw. Updates ist keine schlechte Idee, aber auch diese Sache scheint mir halb so wild. Worauf man hingegen meiner Meinung nach viel zu wenig Aufmerksamkeit verwendet, sind die Applikationen. Was bringt es, wenn der PC das richtige Datum kennt, und das Betriebssystem auch im neuen Jahr läuft wie geschmiert, aber die Applikation, mit der Sie ihre Buchhaltung führen, keine gescheite Buchung mehr hinkriegt im neuen Jahr? Eine Applikation ist eine Applikation, ob sie nun auf einem PC oder auf einem Grossrechner oder wo auch immer läuft, und viele Applikationen arbeiten intensiv mit Datumsangaben und sind deshalb Kandidaten für Jahr-2000-Probleme. Ich schätze, hier dürften die grössten Ueberraschungen lauern für die unvorbereiteten KMU, die mit einer Handvoll PC pro Betrieb so ziemlich alles abwickeln, von Offertwesen und Bestellungen über Auftragsabwicklung bis hin zu Buchhaltung und Lohnabrechnung. In einer solchen Sammlung von Applikationen findet sich leicht eine, die mit dem Jahr 2000 nicht klarkommt. |
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| Mittwoch, 22. Dezember 1999 | Die Magie des Augenblicks | Vortag |
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Nun hat die NASA ihren Space Shuttle doch noch im All. Es war so ziemlich das letzte Datum, um den Space Shuttle zu starten, und auch so muss jetzt die Mission etwas gegenüber der ursprünglichen Planung verkürzt werden. Warum? Die NASA will partout keine Astronauten im All haben über den Jahreswechsel. Seltsam, wo doch das Jahr-2000-Problem allenthalben gelöst ist, oder zum Vornherein nur darin bestand, dass gierige Consultants den Firmen das Geld aus der Tasche ziehen wollten (wobei dann ziemlich unklar ist, was das mit dem Space Shuttle zu tun haben soll). Wenn Sie der Meinung sind, der Shuttle sei ein Gerät auf der Höhe der technischen Entwicklung, so sehen Sie sich mal kurz die Eigenschaften der Bord-Computer-Anlagen an:
Wenn Sie mir nicht glauben, schauen Sie selbst nach unter http://www.ksc.nasa.gov/shuttle/technology/sts-newsref/sts-av.html#sts-dps. Die Playstation ihrer Kinder hat mehr reine Rechenpower als die Shuttle-Computer. Ich kann Ihnen sagen: Ich verstehe, warum die NASA keine Astronauten im All haben will über den Jahreswechsel. Zum Thema: Ein Computer-Virus hat im wesentlichen zwei "Aufgaben": erstens, sich möglichst weit zu verbreiten, und zweitens, Aufmerksamkeit zu erregen oder auch ganz direkt Schaden anzurichten. Bei einem "guten" Virus sind diese Aufgaben aufeinander abgestimmt: Er schlägt nicht gleich los, nachdem er Ihren Computer infiziert hat (Aufgabe 2), denn dann würden Sie ja schnell auf ihn aufmerksam und würden ihn womöglich entfernen, bevor er die Aufgabe 1 bewältigen konnte. Es ist viel besser für den Virus, sich erst mal eine Weile in aller Stille weiterzuverbreiten und erst dann, mit einer gewissen Zeitverzögerung, Schaden anzurichten. Es hat sich an vielen Beispielen gezeigt, dass die Programmierer von Viren für die Zeitverzögerung immer wieder auf dieselbe Lösung kommen: Der Virus schlägt los an einem bestimmten Datum, das irgendeine Bedeutung hat. Beispiel: der berühmtgewordene "Michelangelo-Virus", der am Geburtstag des bekannten italienischen Künstlers losschlägt. Nun sind natürlich alle Jahrestage, Geburtstage und sonstigen irgendwie mit Bedeutung belegten Daten (wie wäre es mit "Internationaler Tag der Computer-Viren"?) nichts im Vergleich mit dem Datum schlechthin, das jetzt bevorsteht: natürlich dem 1.1.2000. Ist das mehr als nur Spekulation? Es sieht so aus, denn es sind bereits einige Fälle von "Jahr-2000-Viren" entdeckt worden, und es könnte durchaus sein, dass dies erst die Spitze des Eisbergs darstellt. Siehe http://currents.net/newstoday/99/12/20/news1.html, insbesondere die "related articles". Um es wieder mal zu sagen: Mir kommt es nicht darauf an, ob ich wegen einem "echten" Jahr-2000-Problem, wegen Problemen verursacht durch in Panik geratene Leute, wegen Jahr-2000-Terroristen oder sogar durch Jahr-2000-Viren in Schwierigkeiten gerate. ("Achtung, harmloser Stromausfall, kein Jahr-2000-Problem", oder "kein Jahr-2000-Problem, nur Leute in Panik") Ich mag einfach keine Schwierigkeiten, und darum habe ich mich vorbereitet. |
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| Dienstag, 21. Dezember 1999 | Frühwarnung? | Vortag |
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Herr Grete, der Schweizer "Mister 2000", hat seinen Letzten: Er und sein Team stellen heute ihre Aktivitäten ein. Ich habe bei dieser Neuigkeit gemischte Gefühle: Einerseits vermag ich der Logik schon zu folgen. Die Hauptaufgabe des Jahr-2000-Delegierten bestand darin, die verschiedenen Vorbereitungsarbeiten in der Schweiz zu beobachten, zu koordinieren und zu fördern. Jetzt gibt es nichts mehr vorzubereiten: Entweder man ist es - vorbereitet eben - oder nicht. Warum also soll der "Mister 2000" nicht aufhören? Andererseits wäre es meiner Meinung nach nett gewesen, wenn Herr Grete die Schweiz auf ihrem Weg in dieses kritische neue Jahr ein wenig länger begleitet hätte. Nun ja. Wenigstens wird die Website http://www.millennium.ch/ noch ein wenig weitergeführt, nämlich bis zum 28. Januar. Vielleicht, damit man ein gutes Plätzchen hat, um all die Erfolgsmeldungen unterzubringen, die es im Januar geben wird? Eine kleine Meldung zum Schmunzeln: http://www.taz.de/tpl/1999/12/11/a0131.fr/text?re=ba. Merke: Ein Stromausfall ist keine "relevante Störung". Zum Thema: Der Gedanke der Frühwarnung ist einer, der immer mal wieder auftaucht in Jahr-2000-Diskussionen. Kurz gesagt geht es dabei um das Folgende: Wesentliche Gebiete der Erde mit einem ähnlichen Industrialisierungs- und Computerisierungs-Grad wie in Europa oder den USA (Neuseeland, Australien, Japan) treten aufgrund der Zeitzonen-Gegebenheiten etliche Stunden vor uns bzw. vor den USA ins Jahr 2000 ein. Man kann also vorher verfolgen, was dort läuft, und gegebenenfalls aufgrund der Meldungen in den verbleibenden paar Stunden noch versuchen, sich irgendwie darauf vorzubereiten. Eine Initiative, die am Jahreswechsel möglichst nah am Geschehen sein will und die man deshalb wahrscheinlich für eine Frühwarnung in diesem Sinne verwenden kann, findet man unter http://www.jrwhipple.com/z2k/. Nicht ganz in dieselbe Richtung, aber doch auch in Richtung schneller Information gehen http://www.iy2kcc.org/GlobalStatus.htm und http://www.bba2000.com/. Wenn ich in den nächsten Tagen noch mehr zu diesem Thema finde, werde ich es bekanntgeben. Ich bin allerdings der Meinung, dass man nicht allzu viele Hoffnung legen sollte in diese Frühwarngeschichte, denn es gibt mir persönlich einfach zu viele Fragezeichen dabei. Selbst wenn man einmal die ganz elementare Frage beiseite lässt, auf welche denkbare Unbill man sich denn in ein paar wenigen Stunden sinnvoll vorbereiten kann, bleiben viele Vorbehalte: Nehmen wir einmal an, in Neuseeland fällt grossflächig der Strom aus. Heisst das, bei uns wird das auch passieren? Ohne den genauen Grund für den Stromausfall in Neuseeland, der wohl kaum nach einer Stunde schon bekannt sein dürfte, lässt sich nur sehr schwer beurteilen, ob bei uns dieselben Voraussetzungen herrschen und man daher denselben Effekt befürchten muss. Es ist alles möglich: Es kann sein, dass fast alle Kraftwerke dort ein bestimmtes "embedded system" verwenden, das völlig unerwartet Amok läuft, das aber nur dort verwendet wird und darum bei uns gar nichts anrichten kann. In einem solchen Falle würde man sich hier vielleicht vergebens Sorgen machen und einige Stunden lang aufgeregt durcheinanderrennen in Erwartung eines Stromausfalls, der nie kommt. Oder er kommt trotzdem bei uns, nachdem in Neuseeland alles glatt lief, und man wird nachher darüber fluchen, warum man sich so hat in Sicherheit wiegen lassen durch die Ruhe im Pazifik. Es gibt sogar die Möglichkeit, dass an beiden Orten der Strom ausfällt, aber aus verschiedenen Gründen, und dass man in Annahme einer Uebereinstimmung bei uns bei der Fehlersuche durch Geschehnisse in Neuseeland zuerst auf eine falsche Fährte gerät. Und dann gibt es noch jenen Gedanken, der mir ein Leser in einer e-mail mitteilte und bei dem ich mir sagte "Na klar, da hätte ich auch drauf kommen müssen": Nehmen wir einmal an, es kommt zum GAU und den Japanern fliegt ein Atom-Kraftwerk mehr oder weniger um die Ohren. Was glauben Sie, wie gross sind die Chancen, dass diese Meldung rechtzeitig innert weniger Stunden bei uns eintrifft, unverfälscht, die volle Wahrheit, so dass man vielleicht etwas damit anfangen kann im Sinne von Frühwarnung? Ohne dass irgendwer zwischendrin sagt: "Stopp - Zensur - das können wir so jetzt nicht bringen"? |
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| Montag, 20. Dezember 1999 | München | |
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Die soeben zu Ende gegangene Umfrage war eine erfreuliche Sache: Noch nie haben soviele Leute abgestimmt. Besten Dank an alle. Wie man sieht, nimmt eine knappe Mehrheit der Abstimmenden an, dass es in der Silvesternacht und am Neujahrstag nur kleinere Probleme geben wird hierzulande. So habe übrigens auch ich abgestimmt. Allerdings ist meiner Meinung nach ziemlich offen, was nachher kommt. Das Brunnersche Jahr-2000-Panik-Früwahrnsystem steht auf 181.8%. Das ist zwar die grösste Steigerung von Woche zu Woche, die je vorgekommen ist, und neuer Rekord sowieso, aber nach Panik sieht das immer noch hinten und vorne nicht aus. Dass sich erst jetzt das Interesse am Jahr-2000-Problem deutlich zu beleben beginnt, liegt meiner Meinung nach im Trend: Bis jetzt war noch praktisch alles rund um Y2K immer später als zuerst angenommen. Ich habe wieder mal eine neue Uebersetzung fertig: Das Jahr-2000-Märchen. Wenn Sie sie lesen wollen, lesen Sie sie am besten gleich, denn nach dem 1.1.2000 verliert diese Uebersetzung viel von ihrem Reiz. Es geht darum nämlich um Ueberlegungen, wie die Geschichte des Jahr-2000-Problems zu Ende gehen könnte, und zwar von einer etwas ungewöhnlichen, aber wie ich finde sehr reizvollen Warte aus betrachtet. Zum Thema: Nun hat also auch Deutschland einen recht spektakulären "1900"-Vorfall: Die Stadtverwaltung Münchens hat an über 400 Leute Mahnungen verschickt mit dem Datum 11.1.1900 statt 11.1.2000, und der Computer hat auch schön brav und stur (wie es sich für einen Computer gehört) für 100 Jahre Säumniszuschlag berechnet. Siehe http://www.spiegel.de/netzwelt/technologie/0,1518,56756,00.html. Dieser Fall ist an sich eine recht harmlose Sache. In den USA sind schon eine ganze Reihe solcher Fälle bekanntgeworden. Ich kann mir schon vorstellen, dass bei einem solchen Vorkommen eine ganze Reihe von Leuten aufhorchen, einfach nur darum, weil sie bisher der Ueberzeugung waren, das Phänomen "Jahr-2000-Problem" existiere überhaupt nicht, sei ein blosses Phantom. Aber beim Stand der Information der breiten Bevölkerung ist das wohl nicht weiter verwunderlich. Dass Programme, die man getestet hat, immer noch Fehler drin haben, wie dasjenige der Münchner, das die Mahnungen druckte und verschickte, überrascht mich auch nicht im geringsten. Für mich als Informatiker ist das fast tägliches Brot. Mich beschäftigt eine andere Frage: Warum gibt es bei der Münchner Stadtverwaltung und in allen ähnlichen Organisationen nicht jemanden, der dazu verdonnert wurde, sämtliches Gedruckte auf Datums-Anomalien hin abzuchecken, um noch verbliebenen Jahr-2000-Problemen möglichst schnell auf die Spur zu kommen und solche Blamagen wie die jetzt zu verhindern? Könnte es sein, dass man sich in zu grosser Sicherheit wiegt, und darum gar nicht in Betracht zieht, solch drastische Massnahmen zu treffen? Oder könnte es sein, dass man der Sache einfach nicht genügend Beachtung schenkt, sie gar nicht genügend ernst nimmt? |
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