Das Jahr-2000-Problem: Archiv Woche 52/1999

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Archiv der Woche 51/1999 (27. Dezember bis 31. Dezember 1999)

Hier finden sich folgende Tages-Einträge:

Freitag, 31. Dezember 1999 Der letzte Tag
Donnerstag, 30. Dezember 1999 Y2K abgesagt?
Mittwoch, 29. Dezember 1999 Wahrscheinlichkeits-Spielereien
Dienstag, 28. Dezember 1999 Moving the Goalpost
Montag, 27. Dezember 1999 Panikkäufe
 
Freitag, 31. Dezember 1999 Der letzte Tag Vortag

Nun ist er also da, der letzte Tag des Jahres. Fast alles ruhig weltweit. Die Börse auf Rekordstand. Gold immer noch spottbillig. Artikel über Y2K immer noch zweigeteilt, die eine Hälfte "Keine Probleme", die andere Hälfte "Vielleicht doch irgendwelche kleine Probleme". In den USA werden erst mal die Terroristen schuld sein, egal was schiefgeht, und in der Schweiz die Leute, die sich unvernünftig verhalten (die Terroristen würde Ihnen halt hier niemand abkaufen).

Nun ja. Wir werden sehen.

Ich wage mich hier heute nicht mehr auf die Aeste hinaus. Alles, was ich heute hier spekulieren würde, wäre möglicherweise schon in wenigen Stunden überholt, von der Wirklichkeit, die zeigt, wo es langgeht.

Hier gibt es auch keine laufende Verfolgung des Geschehens. Mein nächster Tagebuch-Eintrag wird (voraussichtlich) im normalen Rhythmus am Montag, 3. Januar 2000 erscheinen. Ich kann Ihnen aber eine Seite mit Links angeben zu diversen Websites, die eine möglichst genaue Verfolgung des Geschehens weltweit versuchen: http://www.wb-online.de/y2k.html.

Sollte diese Seite nicht erreichbar sein, können Sie es versuchen mit einer Kopie unter http://www.megos.ch/Allgemein/y2k.html.

Diese Liste wurde zusammengestellt vom Webmaster von http://2000.klug-suchen.de/, der mir auch freundlicherweise einen seiner Server zur Verfügung stellt für meinen Mirror unter http://www.meine-notizen.de/2000. Da gibt es die Chance, mein Tagebuch auch dann noch zu lesen, wenn der Megos-Server aus irgendeinem Grunde nicht mehr zur Verfügung steht - natürlich nur, wenn Sie die Adresse des Mirrors kennen, denn nachschauen können Sie sich ja dann nicht mehr...

Ich möchte es nicht verpassen, hier einmal all den Leuten zu danken, die mir im Laufe der letzten fast zwei Jahre immer wieder sehr interessante Mails zum Thema Y2K geschickt haben. Das Tagebuch zu schreiben macht eine Menge Arbeit und Mühe, aber ich muss sagen, mit der Anteilnahme meiner Leser bekomme ich auch eine Menge zurück.

Hier noch ein paar Hinweise für Leute, die erst jetzt unter dem Eindruck des unmittelbar bevorstehenden Jahreswechsels den Weg hierher gefunden haben und nun möglichst schnell wissen wollen, was es denn eigentlich auf sich hat mit diesem "Y2K".

  • Sie sind hier auf der Website eines ausgesprochenen Y2K-Pessimisten gelandet. Ich dachte mir, das sollten Sie vor dem Weiterlesen wissen.
  • Beachten Sie bitte auch meinen Disclaimer. Ganz plump gesagt: Was Sie tun (oder auch nicht), ist Ihr Problem, nicht meines.
  • Kein Grund, viel Geld für lange Online-Zeit auszugeben oder per Tool die ganze Megos-Site runterzuladen: Man kann das komplette Tagebuch als ZIP-File haben - siehe Download.
  • Mein persönliches Jahr-2000-Motto: Ich bin gegen alles Mögliche versichert. Warum soll ich mich also nicht auch gegen Y2K versichern? Siehe 2. Dezember 1998 und 10. Juni 1999.
  • Warum man bei der Einschätzung von Y2K per "gesundem Menschenverstand" wahrscheinlich nicht zu einem brauchbaren Resultat kommt, ist ausgeführt in Y2K und der gesunde Menschenverstand
  • Informatik-Projekte sind meistens zu spät, und ich glaube, das ist bei Jahr-2000-Projekten nicht anders, nur gibt es (noch) niemand zu - siehe 9. Juni 1998 und 8. Februar 1999.
  • Wie ein maximal pessimistisches, wenn auch wohl nicht sehr wahrscheinliches Y2K-Szenario aussehen könnte, ist geschildert in SET RECOVERY ON.

Und nun, frei nach Cory Hamasaki: Wir rasen mit der unglaublichen Geschwindigkeit von 3600 Sekunden pro Stunde auf den Jahreswechsel zu. Bitte für den Aufschlag bereitmachen.

 
Donnerstag, 30. Dezember 1999 Y2K abgesagt? Vortag

Das Online-Magazin "Telepolis" unter http://www.heise.de/tp/ gehört zu den Sites, die ich mir jeden Tag ansehe, weil es fast immer etwas Interessantes zu lesen gibt. Ich habe da allerdings mittlerweile schon eine ganze Anzahl von Y2K-Beiträgen von einem gewissen Florian Rötzer gelesen, die jeweils nicht so auf meiner Linie waren.

So auch der neueste solche Artikel, zu finden unter http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/5634/1.html. Gleich am Anfang findet sich folgender bemerkenswerte Satz, den man am besten mal ganz langsam liest, um ihn voll mitzubekommen:

Nachdem sich gezeigt hatte, dass die von Y2K ausgehenden Gefahren doch nicht so gross sein werden, wie man gelegentlich befürchtet hatte, verlegten sich die Warner auf andere Gefahren, um für die entsprechende Jahrtausendstimmung zu sorgen.

Interessante Kombination von grammatikalischen Zeiten: Es hatte sich bereits gezeigt, dass sie nicht sein werden - so gross, die Gefahren nämlich. Nanu? Ist Y2K abgesagt, und ich habe das leider noch nicht mitbekommen?

In der deutschen Y2K-Newsgroup news:de.alt.jahr2000 beklagt sich jemand, er habe sich mit Ausgaben von über 10'000 DM auf Y2K vorbereitet, und jetzt werde von vielen Seiten her Entwarnung gegeben. Ich habe das Posting so verstanden, als sei der gute Mann bereits so gut wie überzeugt, dass er seine Investitionen vergebens getätigt hat.

Also, liebe Leute, so geduldet Euch doch noch ein Weilchen, bevor Ihr Y2K absagt. Die Show hat doch noch kaum begonnen! Die Kino-Vorführung ist nicht mal über die einführende Werbung hinaus. Die meisten Programme mit Jahr-2000-Problemen haben ihre Probleme dann, wenn der Name es sagt - im Jahr 2000.

Ich kann Ihnen allerdings die Wartezeit etwas verkürzen. Ein Leser hat mich auf eine schöne Sache aufmerksam gemacht, die seit gestern läuft und noch nicht ausgestanden ist: Rund 20'000 Kreditkarten-Terminals in England, noch dazu neuere Modelle, die diesen Sommer erst installiert wurden, streiken im Moment.

Unter bestimmten Umständen schauen die Terminals mal 4 Tage voraus, und das bekommt ihnen nicht, weil sie den in dieser Zeitspanne enthaltenen Jahrhundert-Sprung nicht verkraften.

Ein Sprecher der britischen Jahr-2000-Regierungsstelle "Action 2000" erklärte, "kleinere Probleme" seien unvermeidbar. Auch interessant die Aussagen des Herstellers: Es handle sich nicht um ein Y2K-, sondern um ein Jahrhundert-Wechsel-Problem, und ausserdem gebe es die Möglichkeit, durch spezielle manuelle Eingaben diese 4-Tage-Funktion abzuschalten. Pech nur, dass die meisten Einzelhändler, bei denen die Terminals stehen, diese speziellen Eingaben nicht kennen.

Siehe http://news.cnet.com/news/0-1009-200-1508753.html?tag=st.ne.1009.thed.1009-200-1508753.

Und wie finden Sie dies: Tatsächlich kein Jahr-2000-Problem, aber wieder mal ein Zeichen dafür, wie gefährlich viele Dinge jetzt schon sind - wehe, es packt jemand noch ein Jahr-2000-Problem drauf, dann wird es erst richtig lustig: In der Ukraine musste ein Atomkraftwerk per Schnellabschaltung heruntergefahren werden - es hatte jemand versucht, ein Kabel zu klauen. Siehe http://de.news.yahoo.com/991228/4/fw85.html.

 
Mittwoch, 29. Dezember 1999 Wahrscheinlichkeits-Spielereien Vortag

Sagte ich schon, dass es immer dann noch verrückter wird, wenn ich dachte, das liegt jetzt aber wirklich nicht mehr drin? Ja, ich glaube, das sagte ich schon. Aber ich kann Ihnen trotzdem das neueste Beispiel verraten: Das Spezial "Jahrtausendwende" des deutschen Yahoo, zu finden unter http://de.fc.yahoo.com/j/jahrtausendwende.html.

In den absolut genialen Abstimmungen da ist Lady Di auf dem Weg zur "beindruckendsten Frau des letzten Jahrtausends", und eine Website über "Willy" wird wahrscheinlich Website des Millenniums. Wenn Sie wissen wollen, wer oder was "Willy" ist, müssen Sie schon selbst nachschauen.

Etwas besser schon folgende Yahoo-Meldung unter http://de.news.yahoo.com/991226/9/fsbc.html: Jeder Vierte hortet Lebensmittel. Nun, ich weiss nicht, wie Sie das empfinden, aber das Wort "horten" hat in meinen Ohren einen eindeutig negativen Unterton. Warum nur kann, ja darf die Schlagzeile nicht lauten "Jeder Vierte stockt Lebensmittelvorräte auf" oder so ähnlich?

Und nun möchte ich Sie wieder einmal mit etwas allgemeineren Ueberlegungen quälen:

Das Jahr-2000-Problem hat eine erstaunliche Menge von Aspekten Aber es ist meines Wissens kein einziger darunter, bei dem man heute, noch vor dem Jahreswechsel, im Versuch einer Risiko-Abschätzung nicht zu einer recht positiven Einschätzung kommen könnte. Oder anders herum und deutlicher gesagt: Die Katastrophe ist nirgendwo gesichert.

Ueberall, wo man hinsieht, gibt es bei Y2K unbekannte und unabwägbare Faktoren, die man so oder so annehmen kann, wenn man abschätzen will, was für Probleme sie verursachen könnten.

Nehmen wir z.B. das Problem von gestern mit den Programmen, die von Microsoft und anderen Firmen plötzlich als nicht voll jahr-2000-fähig deklariert werden, so kurz vor dem Jahreswechsel, dass wohl viele Leute gar keine Zeit mehr haben, die entsprechenden Patches einzuspielen. Ist das schlimm?

Wir könnten miteinander eine Weile über diese Frage diskutieren und würden zum Schluss kommen, dass sich ohne grosse Probleme ein einigermassen plausibles Szenarium beschreiben lässt, wo dies halb so wild ist: Viele der Programme haben nur kosmetische Probleme. Oder sie werden an Orten eingesetzt, wo ein Ausfall nicht viel ausmacht. Oder man kann die Fehler, die die Programme machen, leicht von Hand nachkorrigieren, bis man irgendwann im Februar den Update doch noch einspielt. Usw.

Nehmen wir ein anderes Phänomen: das Resultat vieler Umfragen, dass die KMU weltweit schlecht auf Y2K vorbereitet sind (siehe z.B. 29. September 1999). Aber stimmen die Umfragen? Es sind schon genügend Umfragen an schlechten Fragestellungen oder an zu geringer Beteiligung gescheitert. Und selbst wenn: Man kann argumentieren, dass eine Firma bei Computer-Problemen umso besser auf einen manuellen Not-Betrieb umschalten kann, umso kleiner sie ist, und um relativ "klein" geht es ja hier gerade.

So geht die Geschichte weiter. Schlecht vorbereitete Drittwelt-Länder? Zugleich die Länder, die am wenigsten von Computern abhängig sind. Gefährdung der Oelversorgung? Die meisten Länder haben Vorräte für Monate. Atomkraftwerke? Die Notabschaltung funktioniert stets ohne Computer. Usw.

Wie gesagt, selbst ein Jahr-2000-Pessimist wie ich muss zugeben, dass praktisch überall eine einigermassen vernünftige Argumentation existiert, in deren Rahmen die Folgen nicht sehr gravierend sein werden. Dies macht mich allerdings noch lange nicht zum Optimisten. Warum?

Das Ganze ist ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten. Je nach Gliederung lässt sich Y2K in vielleicht 50 Einzelaspekte unterteilen, mit 50 entsprechenden optimistischen Argumentationen, an deren Ende ein Urteil "keine gravierenden Folgen" steht.

Nur: Ist das wahrscheinlich? Werden wir fünfzig Mal Glück haben? Ich bin Informatiker mit fast 20 Jahren Berufserfahrung, und ich weiss aus eigener schmerzhafter Erfahrung, dass man bei Computern verdammt selten Glück hat.

So wie ein Optimist 50 positive Argumentationen findet, finde ich 50 pessimistische Interpretationen derselben Ausgangspositionen. Es ist zwar ebenso unsinnig, anzunehmen, dass sich kein einziger Aspekt von Y2K als relativ harmlos herausstellen wird. Aber selbst wenn wir uns bei "fifty-fifty" in der Mitte treffen, bleibt locker genügend übrig, um uns allen das Leben ganz schön schwer zu machen.

 
Dienstag, 28. Dezember 1999 Moving the Goalpost Vortag

Gewisse Aspekte der englischen Sprache gefallen mir ungemein. Einer dieser Aspekte ist die Vielzahl prägnanter und witziger Ausdrücke, die es im Englischen gibt. Dazu gehört "Moving the Goalpost".

Wenn Ihnen das nichts sagt, hier eine kurze Umschreibung: Man hat grosse Mühe, ein Ziel zu erreichen, weil es immer wieder und gemeinerweise oft kurz vor dem Erreichen weiter hinausgeschoben wird, so dass man erneut eine rechte Distanz davon entfernt ist.

Dieses frustrierende Erlebnis dürften im Moment eine ganze Menge Jahr-2000-Verantwortliche haben, denn einige Software-Hersteller sind im Moment daran, einmal gemachte Angaben für ihre Produkte bezüglich Jahr-2000-Fähigkeit zu revidieren, und zwar nicht nur im positiven Sinne.

Alleine Microsoft hat in den letzten drei Wochen bei 500 Produkten den Status geändert. Diese Zahl relativiert sich zwar etwas, wenn man berücksichtigt, dass 12 Sprachvarianten ein und desselben Produkts dabei als 12 Produkte gezählt wurden. Andererseits kann man sich fragen, warum es jetzt überhaupt noch etwas zu ändern gibt, egal bei wievielen Produkten.

Einen Artikel über dieses Phänomen mit dem Titel "Vendors Moving Y2K Goalposts" findet man unter http://currents.net/newstoday/99/12/28/news15.html.

So wie ich die Lage im Moment sehe, gibt es recht wenig handfeste Hinweise darauf, dass eine gefährliche Menge von Jahr-2000-Problemen nach wie vor ungelöst sind und zu allen möglichen Schwierigkeiten führen werden nächstes Jahr. Mangels dieser Hinweise muss man sich beim Argumentieren etwas einfallen lassen, wenn man überzeugend sein will.

Eine Möglichkeit ist, bei einer Geschichte wie der mit den "Goalposts" zu fragen, wie sie aussehen würde, wenn Y2K tatsächlich gelöst wäre, noch rechtzeitig gelöst würde oder überhaupt nur eine Erfindung wäre. Was denken Sie: Würde in einem dieser Fälle Microsoft noch in den letzten Tagen des Jahres 1999 Produkte erstmalig als nicht voll jahr-2000-fähig deklarieren und einen "Patch" nach dem andern herausgeben?

Noch eine andere Sache: Wollen Sie sich 10'000 Dollar verdienen? Ja? Dann müssen Sie Peter de Jager (siehe 30. März 1998) zu einem Käufer für die Domain "Year2000.com" verhelfen. Der geforderte Mindestpreis beträgt eine stolze Million Dollar. Siehe http://www.year2000.com/auction/index.html.

Im Gegensatz zu anderen Y2K-Versteigerungen, die es schon gab, scheint diese Hand und Fuss zu haben, denn de Jager ist wohl tatsächlich unangefochtener Besitzer dieser Domain. Er hat sie zu einer Zeit registriert, als noch kaum jemand wusste, worum es überhaupt geht, und http://www.year2000.com/ ist heute einer der bekanntesten Orte im Cyberspace punkto Y2K.

Allerdings scheint der Preis von 1 Million etwas abschreckend zu sein, denn wie man unter http://cgi.ebay.com/aw-cgi/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=225003545 sehen kann, liegt noch kein einziges offizielles Gebot vor.

 
Montag, 27. Dezember 1999 Panikkäufe  

Es war schon etwas seltsam: Noch während gestern draussen der Sturm die Tannen ganz in der Nähe umknickte (wie die sprichwörtlichen Zündhölzer, natürlich), das Licht immer wieder flackerte und einmal sogar der Strom für 5 Minuten ganz ausfiel, diskutierte ich mit jemandem über das Jahr-2000-Problem, der fast ein wenig stolz darauf ist, dass in der Silvesternacht noch nicht mal Kerzen oder Taschenlampen bereitliegen werden.

Das Brunnersche Jahr-2000-Panik-Frühwarnsystem steht bei 183.6% und damit praktisch gleich hoch wie letzte Woche. Jahr 2000 hin oder her, Weihnachten hat einen neuen Rekord wirkungsvoll verhindert. Macht gar nichts, ich gönne den Leuten die ruhigen Weihnachtsfeiern.

Wenn Sie finden, das Jahr-2000-Problem sei schon langsam zum Gähnen, und Sie würden sich lieber über etwas wirklich Gefährliches Sorgen machen, kann ich Ihnen den Artikel unter http://www.nationalpost.com/commentary.asp?f=991221/156867 empfehlen. Hat zwar direkt mit Y2K nichts zu tun, aber doch damit, wie gefährlich die Welt mittlerweile geworden ist.

Es ist schlicht erstaunlich: Es herrscht eine Ruhe, wie ich sie bis vor drei, vier Monaten nie für möglich gehalten hätte für diese letzte Woche vor dem Jahreswechsel, und es ist tatsächlich noch nirgendwo auf der Welt zu irgendwelchen panikartigen Vorfällen gekommen wegen Y2K. Dies gilt insbesondere für Panikkäufe.

Allerdings ist ein erstes Beispiel bekanntgeworden, das dem ziemlich nahe kommt. In Toronto gibt es seit kurzem so etwas Aehnliches wie einen Run auf Mineralwasser. Siehe http://www.globetechnology.com/archive/gam/Y2K/19991224/UHORDM.html.

Die Optimisten im Usenet berichten mit Schadenfreude, wie es in diversen Läden in den USA immer noch problemlos Notstromgeneratoren zu kaufen gibt. Dies heisst zumindest, dass die Leute jetzt nicht das tun, was sie vor einigen Monaten in Y2K-Umfragen angegeben haben, denn sonst wären die Generatoren längst alle weg.

Eine ganz andere Sorte von Panikkäufen scheint es mir an den Börsen der USA zu geben, wo die Leute eine panische Angst davor zu haben scheinen, nicht rechtzeitig zu kaufen und damit den ganz grossen Kursanstieg zu verpassen. Die US-High-Tech-Börse NASDAQ hat vor Weihnachten kurz die 4000-Punkte-Marke durchbrochen, nur sieben Wochen, nachdem sie die 3000-Punkte-Marke nahm.

Falls Sie immer noch irgendwelche logische Rechtfertigungen für diese Aktienkurse zu finden vermögen, versuchen Sie es mal hiermit: Der Wert aller Aktien des finnischen Handy-Herstellers Nokia übersteigt mittlerweile das Brutto-Sozialprodukt von Finnland.

Das hat nun auch wieder nichts direkt mit Y2K zu tun. Ich bin nur mittlerweile ziemlich überzeugt, dass ein grosser Aktien-Crash und die Folgen von Y2K sich gegenseitig verstärken und soviel Schaden anrichten werden, wie beide Ereignisse für sich alleine genommen nicht geschafft hätten.

Zu guter Letzt heute ein Börsen-Witz: Stehen zwei Investoren vor der Kursgrafik einer Internet-Firma, mit einer Kurve für den Wert der Aktie, die steil nach oben geht, und einer Kurve für die Verluste, die die Firma macht, die immer mehr nach unten ins Negative absackt.

Sagt der eine Investor: "Das ist ja alles schön und gut, aber ich habe immer noch nicht begriffen, wo denn eigentlich dieser Cyberspace liegt." Da deutet der andere Investor auf den Raum zwischen den beiden Kurven und sagt: "Genau hier."

 

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