Das Jahr-2000-Phänomen: Archiv Woche 1/2000

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Archiv der Woche 1/2000 (3. Januar bis 7. Januar 2000)

Hier finden sich folgende Tages-Einträge:

Freitag, 7. Januar 2000 Keine 10 Millionen
Donnerstag, 6. Januar 2000 Usenet
Mittwoch, 5. Januar 2000 Das Jahr-2000-Phänomen
Dienstag, 4. Januar 2000 Scherbenhaufen
Montag, 3. Januar 2000 Cool!
 
Freitag, 7. Januar 2000 Keine 10 Millionen Vortag

So. Jetzt, wo wir alle wissen, dass Y2K gar nie etwas war, oder dann höchstens ein Schwindel, auf jeden völlig harmlos, kann ich getrost meinen Freitags-Eintrag wieder verwenden, um etwas über kuriose oder humorige Aspekte des Jahr-2000-Phänomens zu berichten.

Es sieht so aus, als hätte sich de Jager zu früh über die 10 Millionen Dollar gefreut, die er bei einer Versteigerung des Domain-Namens "year2000.com" erzielt hatte (siehe 4. Januar 2000). Nach einer Ueberprüfung ist die Sache in sich zusammengefallen, denn die Bieter waren entweder nicht ernsthaft oder haben sich zurückgezogen. De Jager wird jetzt einen anderen Weg suchen müssen, seinen Domainnamen an den Namen zu bringen. Siehe http://www.spiegel.de/netzwelt/ebusiness/0,1518,58809,00.html.

Die Website der österreichischen Zeitung "Der Standard" hat eine wöchentliche Internet-Kolumne. Ich bin stolz darauf, dass der Autor der Kolumne ein drittes Mal mein Tagebuch als Thema gewählt hat, unter dem völlig zutreffenden Titel "Brunner ist verwirrt" - siehe http://derstandard.at/dynamic/aktuell/ressort_article.asp?channel=WebStandard&id=139665.

Lachen musste ich über den Kommentar zu meiner Aussage, ich fühle mich irgendwie wie im falschen Jahrtausend gelandet: Sozusagen im mentalen 1900.

Apropos Jahreszahlen: Ein Y2K-Kollege von mir hat die an sich völlig naheliegende Idee gehabt, mit Hilfe von Suchmaschinen Web-Seiten mit falschen Jahreszahlen zu suchen, insbesondere mit der Jahreszahl "19100". Die Resultate sind ganz amüsant. Fireball etwa bringt schon mehrere Hundert solcher Seiten: http://www.fireball.de/query-fireball.fcg?action=query&pg=express&q=19100&submit=suchen&what=german_web&fmt=d.

Kein Wunder, sind die Flugzeuge in der Neujahrsnacht nicht vom Himmel gefallen. Völlig einleuchtend. Es war kaum möglich. Raten Sie mal, wieviele Passagierflugzeuge sich über ganz Europa in der Luft befanden, als das Jahr von 1999 auf 2000 wechselte. Es haben ja die meisten Airlines gesagt, nun gut, etwas weniger Flüge als sonst, aber das ist immer so über Silvester/Neujahr, Hauptsache: Wir fliegen!

Also, es waren fünf Flugzeuge in der Luft über Europa in jener Minute um Mitternacht. 1, 2, 3, 4, 5. Kommentar wohl überflüssig. Siehe http://de.news.yahoo.com/000101/9/g5bu.html.

An der Ostküste der USA kam es im Flugverkehr gestern zu stundenlangen Verspätungen, weil die Flugüberwachung - niemand anders als die FAA, einer meiner Lieblinge punkto Jahr-2000-Phänomen (siehe z.B. 27. Juli 1998) - Computerprobleme hatte.

Unterdessen besteht ein solcher Artikel fast zur Hälfte aus einer ausführlichen Begründung, warum es sich um ein "ganz normales" Computerproblem und nicht um Y2K handelt. Wie denn, stundenlanges Warten im Flughafen macht Spass, aber nur, wenn es wegen einem "normalen" Computer-Problem ist? Warten wegen Y2K hingegen wäre natürlich der reinste Horror, schon klar.

Aussage eines Sprechers der Y2K-Behörde der Regierung: Wenn die FAA sagt, es sei kein Jahr-2000-Problem, dann ist es keines. Es gibt keinen Grund für sie, zu lügen. Siehe http://www.foxnews.com/national/010600/flightdelays.sml.

Nein, warum sollte man auch über etwas lügen, das es gar nie gab?

 
Donnerstag, 6. Januar 2000 Usenet Vortag

Zuerst ein kleines Beispiel, was hätte passieren können, wenn man sich überhaupt nicht um Y2K gekümmert und nichts repariert hätte: In Mali bringt gerade ein Jahr-2000-Problem die Eisenbahn etwas durcheinander. Richtig problematisch würde die Sache allerdings wohl erst, wenn so viele andere Dinge gleichzeitig schieflaufen würden, dass man sich nicht mehr um alles zugleich kümmern könnte - was nicht der Fall ist. Jetzt wursteln sie sich punkto Eisenbahn eben eine Weile von Hand durch - siehe http://www.abcnews.go.com/wire/World/ap20000105_1108.html.

Eine interessante Site mit Berichten, seit langem im "Y2K-Geschäft", leise und unauffällig, aber seriös und mit einigem Aufwand geführt, und vor allem auch jetzt noch weitergeführt, ist http://www.sangersreview.com/.

Zum Thema: Das Jahr-2000-Phänomen hatte schon immer neben den technischen Aspekten wichtige psychologische Aspekte. Wie bilden sich die Leute welche Meinung zu diesem Thema, wie entwickelt sich diese Meinung, welche Informationen werden wie aufgenommen (oder ignoriert), wie wird die eigene Ueberzeugung in einer Diskussion verteidigt, was hat sie für Auswirkungen auf das persönliche Verhalten?

Ich glaube, nirgendwo sonst konnte man diese Aspekte besser beobachten als im Usenet, und da konkret in der Newsgroup news:comp.software.year-2000. Siehe auch 21. April 1998.

Das damals Gesagte gilt übrigens immer noch: Von irgendwelchen Phänomenen im Zusammenhang mit Y2K, die auftauchen, liest man meistens in comp.software.year-2000 zuerst. Wenn - wenn - sich punkto Y2K doch noch irgendwo auf der Welt etwas zusammenbrauen sollte, wird man da wahrscheinlich zuerst davon erfahren.

Für mich sehr interessant, aber auch etwas belastend, war zu beobachten, was sich in den Tagen nach dem erfolgreichen Jahreswechsel ohne Jahr-2000-Probleme dort abspielte.

Vereinfachend gesagt standen sich da schon seit vielen Monaten zwei Gruppen von Leuten gegenüber: die Pessimisten ("Doomers") und die Optimisten ("Pollies"). Für einige Leute ging es um das Vertreten der eigenen Ansicht, um das Widerlegen der Ansicht der Gegenseite, um Y2K als Kampf, wer recht hat und recht behält. Häufig war da fast jedes verbale Mittel recht, bis hin zu direkten Beschimpfungen.

Klar, dass die Optimisten nach dem ereignislosen Jahreswechsel ihre ganz grosse Stunde hatten, allen voran Bradley K. Sherman (siehe 8. April 1999). Und einige nutzten die Gunst der Stunde, um all den Aerger, der sich in hitzigen Diskussionen im Laufe der Monate angestaut hatte, bei den Pessimisten abzuladen. Sherman begrüsste z.B. jeden Pessimisten, wenn er sich im neuen Jahr erstmalig wieder mit einem Posting meldete, mit dem Spruch Another enemy of the people surfaces (in etwa "Und wieder taucht ein Staatsfeind auf").

Er präsentierte auch ein Posting vom 31. August 1997, wo er bereits einen völlig problemlosen Wechsel ins Jahr 2000 vorhersagte - siehe http://www.deja.com/getdoc.xp?AN=567970894&fmt=text, möglicherweise tatsächlich ein besonderes Posting, weil das erste mit dieser klaren Aussage überhaupt.

Die Pessimisten hatten naturgemäss einen schweren Stand. Sie konnten in den ersten paar Tagen praktisch schreiben, was sie wollten, sie wurden abgestempelt - entweder als jemand, der nicht Manns genug ist, um zuzugeben, dass er unrecht hatte, oder als jemand, der einfach nicht zu begreifen vermag, wie die "Wahrheit" über Y2K aussieht.

Aber vielleicht interessanter als eine weitere Beschreibung der Querelen: Was denken die Leute da mittlerweile über Y2K? Mein Eindruck ist der folgende: Nicht wenige Leute, die etwas zu sagen haben (nicht gewisse Optimisten, die einfach immer nur wiederholen "Siehste! Ich hatte recht!", und auch nicht gewisse unbelehrbare Pessimisten, die immer noch auf den Weltuntergang warten), äussern sich ähnlich wie ich.

Sie sind ziemlich verwirrt, dass so wenig passiert, oder vorsichtiger ausgedrückt, so wenig berichtet wird über auftauchende Probleme, und emfinden die Situation als ein gewisses Rätsel, das sie gerne gelöst sehen möchten.

 
Mittwoch, 5. Januar 2000 Das Jahr-2000-Phänomen Vortag

Erlauben Sie mir, möglichen Missverständnissen gleich vorzubeugen: Die Worst-Case-Ueberlegungen (auch unter dem Namen "Horrorszenarien" bekannt) haben sich als unnötig erwiesen, Y2K als Katastrophe ist nicht eingetreten - und wird auch nicht mehr eintreten.

Meine Warnungen des letzten Jahres vor einer möglichen Gefahr, und die Versuche, die Leute dazu zu bringen, sich gegen mögliche Folgen derselben abzusichern, haben sich als unnötig herausgestellt. Ich habe dabei meinen Teil abbekommen, indem ich fast zwei Jahre lang jede Woche 15 Stunden meiner Freizeit geopfert habe; damit soll es gut sein.

Warnungen und Aufrufe zur Vorbereitung wird man hier keine mehr finden - das war im letzten Jahrtausend.

Um das ganz klar zum Ausdruck zu bringen, spreche ich nicht mehr vom Jahr-2000-Problem, sondern vom Jahr-2000-Phänomen. Ich schreibe hier noch ein bisschen weiter, weil mich dieses Phänomen interessiert, und ein paar andere Leute vielleicht auch.

Nun denn.

Heute abend habe ich nochmals die Ehre, ein bisschen Pessimismus im Schweizer Fernsehen verbreiten zu dürfen (und Gelegenheit, Leute damit etwas zu ärgern, aber zum letzten Mal, denke ich), in der Sendung "Rundschau" - siehe http://www.sfdrs.ch/sendungen/rundschau/archiv/wochenaktuell.html. Die Wiederholung in 3sat am Sonntag wird auch in Deutschland und Oesterreich zu sehen sein.

Es ist meines Wissens noch immer keine wirklich gravierende Folge von Y2K aufgetaucht. Es gibt allerdings viele kleine Vorfälle, so dass doch inzwischen mehr gemeldet wird als im Vorfeld des Jahreswechsels im Dezember.

Eine gute Zusammenstellung gibt es im "Risks Digest", auf den ich auch schon hingewiesen habe und der - Y2K hin oder her - für jeden interessant ist, der der Computertechnik etwas kritischer gegenübersteht und sich für mögliche Probleme damit interessiert. Siehe http://catless.ncl.ac.uk/Risks/20.72.html.

Es gibt noch andere Leute als ich, die es für möglich halten, dass die Sache noch nicht ausgestanden ist. Siehe http://dailynews.yahoo.com/h/ap/20000104/tc/y2k_s_slow_burn_1.html.

Ein gut sichtbares, aber harmloses Phänomen sind die falschen Jahreszahlen auf zahlreichen Websites. (Zum technischen Hintergrund desselben siehe 24. Juli 1998.) Jemand hat mit einigem Aufwand und wohl auch Spass an der Sache eine grosse Sammlung von Screenshots zusammengestellt, zu finden unter http://kwikware.com/y2kmistakes/biglist.htm.

Wenn Sie mal ein Jahr-2000-Phänomen wirklich sehen wollen, schauen Sie sich diese Screenshots an.

 
Dienstag, 4. Januar 2000 Scherbenhaufen Vortag

Ich muss sagen, es ist schon ein ziemlicher Scherbenhaufen momentan, nach dem fast völlig glatt gelaufenen Jahreswechsel. Ich finde es im Moment ganz amüsant, der ziemlich auf den Kopf gestellten Y2K-Welt zuzuschauen.

Regierungen allerorten finden sich - wahrscheinlich ziemlich überraschend - in grossen Erklärungsnöten. Die Stimmen, die fragen, ob wohl all die riesigen Ausgaben zur Bewältigung von Y2K wirklich nötig waren oder ob es sich nicht um eine Riesenverschwendung gehandelt hat, werden immer lauter. Auch die Hypothese von Y2K als Betrug wurde kaum je so lautstark vertreten wie gerade jetzt und bringt die Verantwortlichen unter Druck.

Für mich schon ein etwas seltsames Gefühl, wenn jetzt Sprecher der Regierungen vehement wie selten zuvor argumentieren, nein, Y2K als Problem war real, wenn wir nichts getan hätten, wäre Schlimmes passiert, nur die immensen Anstrengungen haben Katastrophen verhindert. Siehe z.B. http://www.fcw.com/pubs/fcw/1999/1227/web-hype-12-31-99.html.

Ich habe allerdings bisher noch keine Regierung gesehen, die eine Argumentation versucht hätte, warum gewisse Länder mit 100 mal weniger Ausgaben davonkommen sollen als grosse Industrienationen wie die USA oder Deutschland.

Und was machen bekannte Leute der "Y2K-Szene" so im Moment? Es scheint, dass der Y2K-Guru schlechthin, Peter de Jager (siehe 30. März 1998), als krönenden Abschluss seiner Jahr-2000-Karriere noch einen dicken Fisch an Land zieht, mit der Verkauf des Domain-Names "year2000.com" für 10 Millionen Dollar. Siehe z.B. http://news.cnet.com/news/0-1007-200-1511822.html. In den USA ist das jetzt die Jahr-2000-Story überhaupt, was zeigt, dass die Medien im Moment gewissermassen auch vor einem Scherbenhaufen stehen: Definitiv zu wenig schlechte Nachrichten im Moment.

Der Y2K-Pessimist schlechthin, Gary North (siehe 2. Juni 1998), hat etwas Argumentationsnöte, warum der Untergang der modernen Zivilisation sich noch nicht abzeichnet. Immerhin muss man ihm zu Gute halten, dass er sich nicht einfach absetzt, wie es zuerst den Anschein machte, sondern weiterberichtet. Siehe http://www.garynorth.com/y2k/latest_.cfm.

Er hat allerdings unterdessen Bekanntschaft gemacht mit einem speziellen Problem der modernen Zivilisation: Seine Site wurde über den Jahreswechsel zum Teil das Opfer eines Hacker-Angriffs...

Ed Yardeni, "der mit der Rezession" (siehe 11. August 1998), hat seine ehemals ziemlich umfangreichen Jahr-2000-Texte gründlich von seiner Website weggeputzt. Da steht jetzt nur noch der kurze Text unter http://www.yardeni.com/y2kreporter.asp. Ausgerechnet Yardeni, einer der wenigen, der mit einer Rezession über eine längerfristrig angelegte Y2K-Folge spekuliert hat, bläst bereits am ersten Arbeitstag des Jahres 2000 die Rezession praktisch ab. Wie gesagt, ziemlich auf den Kopf gestellt, die Y2K-Welt.

Der zweite "Ed Y." der Y2K-Szene, Ed Yourdon (siehe 18. August 1998), nimmt's meiner Meinung nach ziemlich gelassen und hat einen der intelligenteren Texte verfasst, die ich nach dem Jahreswechsel bisher gelesen habe. Er versucht sich mit einer ersten Abschätzung, wie sich das Rätsel der (bisher) ausgebliebenen Probleme lösen könnte - siehe http://www.yourdon.com/index2.html.

Wie schon gestern gesagt gibt es auch bei meiner Wenigkeit einen gewissen Scherbenhaufen, denn einige meiner Befürchtungen sind definitiv nicht eingetroffen und haben sich als schlicht falsch herausgestellt. Ich war allerdings noch kaum je über Scherben so glücklich wie über diese!

 
Montag, 3. Januar 2000 Cool!  

Ich find's ganz einfach cool: Ich sitze hier bequem an meinem Notebook und schreibe den ersten Tagebucheintrag des neuen Jahres. Ich habe keine Probleme mit dem Strom. Das Wasser fliesst aus dem Hahnen, sauber wie eh und je. Die Heizung tut, was sie soll - die Wohnung ist schön warm.

Bei Ihnen ist auch alles ok, das Internet läuft, Ihr PC läuft, Sie können, wenn Sie noch Lust haben, problemlos in meinem Tagebuch weiterlesen. Und überall taucht nun diese coole Jahreszahl 2000 auf, die mir zeigt, dass tatsächlich das neue Jahr angebrochen ist.

Bei mir liegen im Moment drei Gefühle im Widerstreit: Erleichterung, Verwirrung und Neugier.

Erleichterung: Klar, ich bin erleichtert. Die schlimmsten unter meinen Befürchtungen sind nicht eingetreten, da war ich tatsächlich auf dem falschen Dampfer. Ich guckte schon etwas dumm aus der Wäsche am Morgen des 1. Januar, neben all den Wasser-Vorräten in meiner Wohnung. Die grundlegende Infrastruktur hält, und damit sind viele Y2K-Katastrophen-Szenarien gründlich vom Tisch.

Verwirrung: Zum Zeitpunkt, an dem ich diese Zeilen schreibe, ist noch kein einziges wirklich schwerwiegendes Jahr-2000-Problem bekanntgeworden, und zwar nicht nur bei uns nicht, sondern auf der ganzen Welt nicht. Herrje, es ist im Vorfeld, in den letzten Dezember-Tagen, mehr passiert, als jetzt gemeldet wird.

Im Moment scheint es allen Ländern gleich zu gehen, Ländern wie den USA, die Dutzende von Milliarden Dollar für Y2K ausgegeben haben, und Ländern wie Russland, die kaum ein paar lumpige Millionen investiert haben oder gleich gar nichts getan haben.

Oh, es gibt zwar ein paar Meldungen. Es gab bei einigen wenigen Atomkraftwerken und bei der Verbindung zu Spionagesatelliten in den USA Probleme - siehe http://de.news.yahoo.com/000102/4/g7df.html. Es scheint niemand recht zu wissen, was eigentlich in Ghana in Afrika läuft - siehe etwa http://www.millennium-centre.gov.uk/international/000102_1230.htm. Und im Internet tauchen immer wieder mal auf WWW-Seiten Jahreszahlen wie 1900, 19100 oder sogar 192000 auf; diese Fehler werden aber so schnell korrigiert, dass ich Ihnen kein Beispiel dafür präsentieren kann.

Aber das sind bisher alles "Peanuts" im Vergleich zu dem, was ich erwartet und befürchtet hatte.

Das verwirrt mich, zeitweise glaube ich fast, jemand hat Y2K einfach weggezaubert, alles war nur ein Spuk, ich bin irgendwie im falschen Jahrtausend gelandet.

Neugier: Ich fasse die Situation auf als ein Rätsel. Wie ist das nun wirklich mit Y2K? Warum wird nichts gemeldet? Ist die Show schon vorüber, bevor sie begonnen hat? Kommt noch was? Wenn ja, was? Ich bin ein sehr neugieriger Mensch, und es interessiert mich brennend, wie sich die Sache entwickeln wird. Es ist diese Neugier, die mich das Tagebuch weiterschreiben lässt.

Ich sehe folgende möglichen Lösungen für dieses Rätsel. Noch ohne Wertung, einfach mal als Aufzählung denkbarer Möglichkeiten:

Betrug: Y2K war - doch - zum grössten Teil ein riesiger Betrug. Wenn ja, bin auch ich darauf hereingefallen, und ich will wissen, wie ich den nächsten solchen Betrug früh genug erkenne, um ihm nicht zwei Jahre lang meine Freizeit zu opfern. Vielleicht bin ich bis dann sogar genügend skrupellos, um zu versuchen, von den zu verdienenden Milliarden auch einen Happen in meine Taschen zu lenken.

Erfolg der Reparatur: Es gibt jetzt keine Jahr-2000-Probleme, weil die Informatiker und Ingenieure es geschafft haben, sie alle fristgerecht aus dem Weg zu räumen. Wenn ja, will ich wissen, wie die das gemacht haben. Ich arbeite in einer Informatik-Firma, und auch meine Firma kommt gelegentlich unter Termindruck, und wenn es nun nach 30 Jahren Verspätungen in Informatik-Projekten endlich eine Methode gibt, diese wirksam zu verhindern, muss ich das wissen.

Vertuschung: Es sind bereits Jahr-2000-Probleme aufgetaucht, und es tauchen laufend neue auf, aber irgendwie schaffen es die Verantwortlichen, diese so gründlich zu vertuschen, dass der Eindruck einer fast totalen weltweiten Ruhe entsteht. Wenn ja, muss ich wissen, wie eine Vertuschung auf einer solchen Mega-Skala funktioniert, denn das könnte heissen, dass man so ziemlich alles vor der Oeffentlichkeit verstecken kann, zumindest eine Weile lang, und darauf müsste ich mich in Zukunft einstellen.

Verfrühter Jubel: Das dicke Ende kommt noch. Bis jetzt war nur ein kleiner Bruchteil der Systeme im Einsatz, die Schlacht geht erst heute, am ersten Arbeitstag, richtig los, und sie ist erst endgültig gewonnen, wenn im Dezember weltweit die Jahres-Ende-Verarbeitungen durchlaufen, ohne eine Total-Crash zu produzieren. Wenn ja, will ich das natürlich auch wissen, um doch noch rechtzeitig in Deckung zu gehen, sollten sich die Dinge hochschaukeln.

Mischung: Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, besteht aus einer Mischung aller bisher aufgezählten Auflösungen des Y2K-Rätsels. Auch dann schätze ich, dass ich keine Ruhe finden werde, bis ich einigermassen den Ueberblick habe, wie sich die Mischung zusammensetzt.

 

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